152 Briefe aus Berlin.
dritten Vorstellung seiner Oper, reiste nach Dresden zurück, erhieltdort einen glänzenden Ruf nach Kassel, wies ihn zurück, dirigiertewieder vor wie nach die Dresdener Oper, wird dort einem gutenGeneral ohne Soldaten verglichen, und ist jetzt nach Wien gereist, woeine neue komische Oper von ihm gegeben werden soll. — Über denWert des Textes und der Musik des Freischützen verweise ich Sieauf die große Recension desselben vom Professor Gubitz im „Gesell-schafter". Dieser geistreiche und scharfsinnige Kritiker hat das Ver-dienst, daß er der erste war, der die romantischen Schönheiten dieserOper ausführlich entwickelte und ihre großen Triumphe am be-stimmtesten voraussagte.
Webers Äußeres ist nicht sehr ansprechend. Kleine Statur, einschlechtes Untergestell und ein langes Gesicht ohne sonderlich ange-nehme Züge. Aber auf diesem Gesichte liegt ganz verbreitet dersinnige Ernst, die bestimmte Sicherheit und das ruhige Wollen, dasuns so bedeutsam anzieht in den Gesichtern altdeutscher Meister. Wiekontrastiert dagegen das Außere Spontinis! Die hohe Gestalt, dastiefliegende dunkle Flammenange, die pechschwarzen Locken, von welchendie gefurchte Stirne zur Hälfte bedeckt wird, der halb wehmütige, halbstolze Zug um die Lippen, die brütende Wildheit dieses gelblichenGesichtes, worin alle Leidenschaften getobt haben und noch toben, derganze Kopf, der einem Kalabrcsen zu gehören scheint, und der dennochschön und edel genannt werden muß: — alles läßt uns gleich denMann erkennen, aus dessen Geiste die „Vcstalin", „Cortcz" und„Olympia" hervorgingen.
Bon den hiesigen Komponisten erwähne ich gleich nach Spontiniunfern Bernhard Klein, der sich schon längst durch einige schöneKompositionen rühmlichst bekannt gemacht hat, und dessen große Oper„Dido" vom ganzen Publikum mit Sehnsucht erwartet wird. DieseOper soll nach dem Ausspruche aller Kenner, denen der Komponisteiniges daraus mitteilte, die wunderbarsten Schönheiten enthalten undein geniales deutsches Nationalwcrk sein. Kleins Musik ist ganzoriginell. Sie ist ganz verschieden von der Musik der oben besprochenenzwei Meister, sowie neben den Gesichtern derselben das heitere, an-genehme, lebenslustige Gesicht des gemütlichen Rheinländers einenauffallenden Kontrast bildet. Klein ist ein Kölner und kann als derStolz seiner Vaterstadt betrachtet werden.
G. A. Schneider darf ich hier nicht übergehen. Nicht als ob ichihn für einen so großen Komponisten hielte, sondern weil er alsKomponist von Koreffs „Ancassin und Nicokette" vom 26. Februarbis auf diese Stunde ein Gegenstand des öffentlichen Gesprächs war.Wenigstens acht Tage lang hörte man von nichts sprechen, als vonKoreff und Schneider, und Schneider und Kvreff. Hier standen genialeDilettanten und rissen die Musik herunter; dort stand ein Hansen