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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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151
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Briefe aus Berlin. 131

spontinische Partei, und die Wände der Paläste schallen wieder vandem unmäßigen Lobe — Sie müssen nämlich wissen, es ist die Noblesse,die besonders von Sfwntinis Musik angesprochen wird und demselbenausgezeichnete Zeichen ihrer Gunst angedeihcn läßt. An diese edlenGönner lehnt sich die wirkliche spontinischc Partei, die natürlicherweise aus einer Menge Menschen besteht, die dem vornehmen undlegitimen Geschmacke blindlings huldigt, aus einer Menge Enthusiastenfür das Ausländische, ans einigen Komponisten, die ihre Musik gern aufdie Bühne brächten, und endlich aus einer Handvoll wirklicher Verehrer.

Woraus ein Teil der Gegenpartei besteht, ist wohl leicht zu erraten. Viele sind auch dem guten Ritter gram, weil er ein Welscherist. Andere, weil sie ihn beneiden. Wieder andere, weil seine Musiknicht deutsch ist. Aber endlich der größte Teil sieht in seiner Musiknur Pauken- und Trompetenspcktakel, schallenden Bombast und gespreizte Unnatur. Hierzu kam noch der Unwille vieler — —

Jetzt, mein Lieber, können Sie sich den Lärm erklären, der diesenSommer ganz Berlin erfüllte, als Spvntinis „Olympia" ans unsererBühne zuerst erschien. Haben Sie die Musik dieser Oper nicht inHamm hören können? An Pauken und Posaunen war kein Mangel,so daß ein Witzling den Borschlag machte, im neuen Schauspielhauscdie Haltbarkeit der Mauern durch die Musik dieser Oper zu probieren.Ein anderer Witzling kam eben ans der brausenden „Olympia", hörteans der Straße den Zapfenstreich trommeln, und rief, Atem schöpfend:„Endlich hört man doch sanfte Musik!" Ganz Berlin witzelte überdie vielen Posaunen und über den großen Elefanten in den Prachtaufzügen dieser Oper. Die Tauben aber waren ganz entzückt von sovieler Herrlichkeit, und versicherten, daß sie diese schöne dicke Musik mitden Händen fühlen konnten. Die Enthusiasten aber riefen: „Hosianna!Spvntini ist selbst ein musikalischer Elefant: Er ist ein Pvsnnnenengel!"

Kurz darauf kam Karl Maria von Weber nach Berlin, sein„Freischütz" wurde im neuen Theater aufgeführt und entzückte dasPublikum. Jetzt hatte die antispontinische Partei einen festen Punkt,und am Abend der ersten Vorstellung seiner Oper wurde Weber aufsherrlichste gefeiert. In einem recht schönen Gedichte, das den DoktorFörster zum Verfasser hatte, hieß es vom Freischützen: „er jage nachedlerem Wilde, als nach Elefanten." Weber ließ sich über diesenAusdruck den andern Tag im Jntclligenzblatre sehr kläglich vernehmen,und kajolierte Spvntini und blamierte den armen Förster, der esdoch so gut gemeint hatte. Weber hegte damals die Hoffnung, hierbei der Oper angestellt zu werden, und würde sich nicht so nnmäßigbescheiden gebärdet haben, wenn ihm schon damals alle Hoffnung desHierbleibens abgeschnitten gewesen wäre. Weber verließ uns nach der