Bricfc aus Berlin. 137
davon verschont bleibt. Letzteres ist gewiß sehr lästig und drückend,doch in mancher Hinsicht anch sehr heilsam. Unsere Jngend ist da-durch geschlitzt vor der Gefahr der Verweichlichung. In manchenStaaten hört man weniger klagen über daS Drückende des Militär-dienstes, weil man dort alle Last desselben auf den armen Land-mann wirft, während der Adlige, der Gelehrte, der Reiche und, wiees z. B. in Holstein der Fall ist, sogar jeder Bewohner einer Stadtvon allem Militärdienste befreit ist. Wie würden alle Klagen überletzteren bei uns verstummen, wenn unsere lantmänligen Spießbürger,unsere politisierenden Ladenschwengel, unsere genialen Auskultatorcn,Bnreanschrciber, Poeten und Pflastertreter vom Dienste befreit würden.Sehen Sie dort, wie der Bauer exerziert? — Er schultert, präsen-tiert und — schweigt.
Doch vorwärts! Wir müssen über die Brücke. Sie wundernsich über die vielen Baumaterialien, die hier herumliegen, und dievielen Arbeiter, die hier sich herumtreiben und schwatzen und Brannt-wein trinken und wenig thun. Hier nebenbei war sonst die Hnnde-brücke; der König ließ sie niederreißen, und läßt an ihrer Stelle eineprächtige Eiscnbrücke verfertigen. Schon diesen Sommer hat die Arbeitangefangen, wird sich noch lange herumziehen, aber endlich wird einprachtvolles Werk dastehen. Schauen Sie jetzt mal ans. In derFerne sehen Sie schon die Linden!
Wirklich, ich kenne keinen imposanteren Anblick, als, vor derHnndebrückc stehend, nach den Linden hinauf zu sehen. Rechts dashohe prächtige Zeughaus, das neue Wachthans, die Universität undAkademie. Links das königliche Palais, das Opernhaus, die Biblio-thek u. s. w. Hier drängt sich Prachtgebände an Prachtgebändc.Uberall verzierende Statuen; doch von schlechtem Stein und schlechtgemeißelt, außer die auf dem Zcnghanse. Hier stehen wir ans demSchloßplatz, dem breitesten und größten Platze in Berlin. Das könig-liche Palais ist das schlichteste und unbedeutendste von allen diesenGebäuden. Unser König wohnt hier, einfach und bürgerlich. Hutab! Da fährt der König selbst vorbei. Es ist nicht der prächtigeSechsspänner; der gehört einem Gesandten. Nein, er sitzt in einemschlechten Wagen mit zwei ordinären Pferden. Das Haupt bedeckteine gewöhnliche Offiziersmütze, und die Glieder umhüllt ein granerRegenmantel. Aber das Auge des Eingeweihten sieht den Purpurunter diesem Mantel und das Diadem unter dieser Mütze. SehenSie, wie der König jeden freundlich wieder grüßt. Hören Sic! „Esist ein schöner Mann", flüstert dort die kleine Blondine. „Es warder beste Ehemann", antwortet seufzend die ältere Freundin. Ma tbi!"brüllt der Husarenoffizicr, „es ist der beste Reiter in unserer Armee."
Wie gefällt Ihnen aber die Universität? Fürwahr, ein herrlichesGebäude! Nur schade, die wenigsten Hörsäle sind geräumig, die