Briefe anS Berlin.
IK5
den leichten Koffer nach dein „ schlvarzen Adler" auf der Poststraßctragen. Ich sehe Sie schau fragen: Warum ist denn die Post nichtauf der Paststraße und der „schwarze Adler" auf der KönigSstraßc?Ein andermal beantworte ich diese Frage; aber jetzt will ich durchdie Stadt laufen, und ich bitte Sic, mir Gesellschaft zu leisten. FolgenSie mir nur ein paar Schritte, und wir sind schon ans einem sehrinteressanten Platze. Wir stehen auf der langen Brücke. Sie wundernsich: — „Die ist aber nicht sehr lang!" Es ist Ironie, mein Lieber.Laßt uns hier einen Augenblick stehen bleiben und die große Statuedes großen Kurfürsten betrachten. Er sitzt stolz zu Pferde, und ge-fesselte Sklaven umgeben das Fnßgestell. Es ist ein herrlicher Metall-gnß, und unstreitig das größte Kunstwerk Berlins. Und ist ganzumsonst zu sehen, weil es mitten ans der Brücke steht. Es hat diemeiste Ähnlichkeit mit der Statue des Kurfürsten Johann Wilhelmans dem Markte zu Düsseldorf, nur daß hier in Berlin der Schwanzdes Pferdes nicht so bedeutend dick ist. Aber ich sehe, Sie werdenvon allen Seiten gestoßen. Auf dieser Brücke ist ein ewiges Mcn-schengcdrängc. Sehen Sic sich mal um. Welche große, herrlicheStraße! Das ist eben die KönigSstraßc, Ivo ein KanfmannsmagazinanS andere grenzt, und die bunten, leuchtenden Warcnausstellnngenfast das Auge blenden. Laßt uns weiter gehen, wir gelangen hierauf den Schloßplatz. Rechts das Schloß, ein hohes, großartiges Ge-bäude. Die Zeit hat es grau gefärbt und gab ihm ein düsteres, aberdesto majestätischeres Ansehen. Links wieder zwei schöne Straßen,die Brcitestraße und die Brüdcrstraße. Aber gerade vor uns ist dieStcchbahn, eine Art Boulevard. Und hier wohnt Josty! — IhrGötter des Olymps, wie würde ich euch euer Ambrosia verleiden,wenn ich die Süßigkeiten beschreibe, die dort aufgeschichtet stehen.O, kenntet ihr den Inhalt dieser Baisers! O Aphrodite, wärest dusolchem Schaum entstiegen, du wärest noch viel süßer! Das Lokalist zwar eng und dumpfig, und wie eine Bierstube dekoriert. Dochdas Gute wird immer den Sieg über das Schöne behaupten; zu-sammengedrängt wie die Bnckiuge sitzen hier die Enkel der Brennenund schlürfen Creme, und schnalzen vor Wonne, und lecken die Finger.
Fort, fort von hier!
DaS Auge sieht die Thüre offen,
Es schwelgt das Herz in Seligkeit.
Wir können durch das Schloß gehen, und sind augenblicklich imLustgarten. „Wo ist aber der Garten?" fragen Sie. Ach Gott!merken Sie denn nicht, das ist wieder die Ironie. Es ist ein vier-eckiger Platz, der von einer Doppclreihe Pappeln eingeschlossen ist.Wir stoßen hier ans eine Mnrmvrstntnc, wobei eine Schildwache steht.Das ist der alte Dcssancr. Er steht ganz in altprenßischcr Uniform,