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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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134 Briefe ans Berlin.

daß so viele gute und wackere Menschen mit Interesse und Liebemeiner gedenken. Glauben Sie nur nicht, daß ich unseres Westfalensso bald vergessen hätte. Der September 182» schwebt mir noch zusehr im Gedächtnis. Die schönen Thäler um Hagen, der freundlicheOverweg in Unna, die angenehmen Tage in Hamm, der herrlicheFritz v. B., Sie, Wundermann, die Altertümer in Soest, selbst diePaderborner Heide, alles steht noch lebendig vor mir. Ich höre nochimmer, wie die alten Eichenwälder mich umranschcii, wie jedes Blattmir zuflüstert: Hier wohnten die alten Sachsen, die am spätestenGlanben und Germanentum einbüßten. Ich höre noch immer, wieein uralter Stein mir zuruft:Wanderer, steh, hier hat Arnim denBarns geschlagen!" Man muß zu Fuß, und zwar wie ich, inösterreichischen Landwehrtngcmärschen Westfalen durchwandern, wennman den kräftigen Ernst," die biedere Ehrlichkeit und anspruchsloseTüchtigkeit seiner Bewohner kennen lernen will. Es wird mirgewiß recht viel Vergnügen machen, wenn ich, wie Sie mir schreiben,durch Mitteilungen aus der Residenz mir so viele liebe Menschenverpflichte. Ich habe mir gleich bei Empfang Ihres Briefes Papierund Feder zugelegt, und bin schon jetzt im Schreiben.

An Notizen fehlt es nicht, und es ist nur die Aufgabe: Wassoll ich nicht schreiben? d. h. was weiß das Publikum schon längst,was ist demselben ganz gleichgültig, und was darf es nicht wissen?lind dann ist die Aufgabe: Vielerlei zu schreiben, so wenig als mög-lich vom Theater und solchen Gegenständen, die in der Abendzeitung,im Morgenblattc, im Wiener Konversationsblatte ?c. zc. die gewöhn-lichen Hebel der Korrespondenz sind und dort ihre ausführliche undsystematische Darstellung finden. Den einen interessiert's, wenn icherzähle, daß Jagvr die Zahl genialer Erfindungen kürzlich durch seinTrüffeleis vermehrt hat; den andern interessiert die Nachricht, daßSpontini beim letzten Ordensfcst Rock und Hosen trug von grünemSamt mit goldenen Sternchen. Nur verlangen Sie von mir keineSystematik; das ist der Würgengel aller Korrespondenz. Ich sprecheheute von den Rcdvutcn und den Kirchen, morgen von Savigny undden Possenreißern, die in seltsamen Aufzügen durch die Stadt ziehen,übermorgen von der Giustinianischen Galerie, und dann wieder vonSavigny und den Possenreißern. Association der Ideen soll immervorwalten. Alle vier oder sechs Wochen soll ein Brief folgen. Diezwei ersten werden unverhältnismäßig lang werden, da ich doch vorherdas äußere und das innere Leben Berlins andeuten muß. Nur an-deuten, nicht auSmalcn. Aber womit fange ich an bei dieser Massevon Materialien? Hier hilft eine französische Regel: Oommsnvs?pur Ig eommsnaemgnt.

Ich fange also mit der Stadt an und denke mir, ich sei wiedersoeben an der Post auf der Königsstraße abgestiegen, und lasse mir