Ideen oder das Buch Le Grand.
nicht mehr so gut gefallen wie sonst, sie schienen mir plötzlich ver-blichen zu sein, nur ein einziges hatte Farbe und Glanz behalten —Sie wissen, Madame, welches Stuck ich meine: —
Es ist der Sultan und die Sultanin von Delhi.
Erinnern Sie sich, Madame, wie wir oft stundenlang davorstande n, und die fromme Ursula so wunderlich schmunzelte, wenn esden Leuten auffiel, daß die Gesichter auf jenem Bilde mit den nnsrigcnso viele Ähnlichkeit hatten? Madame, ich finde, daß Sie ans jenemBilde recht gut getroffen waren, und es ist unbegreiflich, wie derMaler Sie sogar bis auf die Kleidung darstellte, die Sie damalsgetragen. Man sagt, er sei wahnsinnig gewesen und habe Ihr Bildgeträumt. Oder sah seine Seele vielleicht in dem großen, heiligenÄffen, der Ihnen damals, wie ein Jockey, aufwartete? — in diesemFalle mußte er sich wohl des silbergrauen Schleiers erinnern, den ereinst mit rotem Wein überschüttet und verdorben hat — Ich warfroh, daß Sic ihn ablegten, er kleidete Sie nicht sonderlich, wie dennüberhaupt die europäische Tracht für Frauenzimmer viel kleidsamerist als die indische. Freilich, schone Frauen sind schön in jeder Tracht.Erinnern Sie sich, Madame, daß ein galanter Brahmine — er sahaus wie Gancsa, der Gott mit dem Elefantenrüssel, der auf einerMaus reitet — Ihnen einst das Kompliment gemacht hat, die gött-liche Maneka, als sie aus Jndras goldener Burg zum königlichenBüßer Wiswamitra hinabgestiegen, sei gewiß nicht schöner gewesenals Sie, Madame!
Sie erinnern sich dessen nicht mehr? Es sind ja kaum ZWO Jahre,seitdem Ihnen dieses gesagt worden, und schöne Frauen Pflegen sonsteine zarte Schmeichelei nicht so schnell zu vergessen.
Indessen für Männer ist die indische Tracht weit kleidsamer alsdie europäische. O, meine rosaroten, lotosgeblümten Pantalons vonDelhi! hätte ich euch getragen, als ich vor Signora Laura stand undum Liebe flehte — das vorige Kapitel hätte anders gelautet! Aberach! ich trug damals strohgelbe Pantalons, die ein nüchterner Chinesein Nanking gewebt — mein Verderben war hineingewebt — und ichwurde elend.
Oft sitzt ein junger Mensch in einem kleinen deutschen Kaffec-stübchen und trinkt ruhig seine Tasse Kaffee, und unterdessen imweiten, fernen China wächst und blüht sein Verderben, und wird dortgesponnen und verwebt, und trotz der hohen chinesischen Mauer weißes seinen Weg zu finden zu dem jungen Menschen, der es für einPaar Nankinghvsen hält und diese arglos anzieht und elend wird —Und, Madame, in der kleinen Brust eines Menschen kann sich garviel Elend verstecken und so gut versteckt halten, daß der arme Menschselbst eS tagelang nicht fühlt, und guter Dinge ist, und lustig tanzt undpfeift und trällert — lalarallala, lalarallala, lalaral — la — ln — la.