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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Ideen oder das Bnch Le Grand. 121

komme wegen der vielen geputzten Menschen, die just vorbeigehen.Seine Frau Gemahlin ist gar keine üble Frau sie hat zwar nurein einziges Auge, aber es ist dafür desto grüner, ihre Nase ist wieder Turm, der gen Damaskus schaut, ihr Busen ist groß wie dasMeer, und es flattern darauf allerlei Bänder, wie Flaggen der Schiffe,die in diesen Meerbusen eingelaufen man wird seckrank schon durchden bloßen Anblick ihr Nacken ist gar hübsch und fettgewölbt wieein das vergleichende Bild befindet sich etwas tiefer unten undan der veilchenblauen Gardine, die dieses vergleichende Bild bedeckt,haben gewiß tausend und abermals tausend Seidenwürmchen ihr ganzesLeben versponnen. Sie sehen, Madame, welch ein Roß ich mir an-schaffe! Begegnet mir die Frau auf der Promenade, so geht mirordentlich das Herz auf, es ist mir, als könnt' ich mich schon auf-schwingen, ich schwippe mit der Gerte, ich schnappe mit den Fingern,ich schnalze mit der Zunge, ich mache mit den Beinen allerlei Reiter-bewegungen hopp! hopp! burr! bnrr! und die liebe Frauficht mich an so seelenvoll, so verständnisinnig, sie wiehert mit demAuge, sie sperrt die Nüstern, sie kokettiert mit der Kruppe, sie cour-betticrt, setzt sich plötzlich in einen kurzen Hundetrab Und ich stehedann mit gekreuzten Armen, und schaue ihr wohlgefällig nach, undüberlege, ob ich sie auf der Stange reiten soll oder auf der Trense,ob ich ihr einen englischen oder einen polnischen Sattel geben soll u. s. w. Leute, die mich alsdann stehen sehen, begreifen nicht,waS mich bei der Frau so sehr anzieht. Zwischentragende Zungenwollten schon ihren Herrn Gemahl in Unruhe setzen und gaben Winke,als ob ich seine Ehehälfte mit den Augen eines Rons betrachte. Abermeine ehrliche, weichlederne obniss psross soll geantwortet haben, erhalte mich für einen unschuldigen, sogar etwas schüchternen jungenMenschen, der ihn mit einer gewissen Genauigkeit ansähe, wie einer,der das Bedürfnis fühlt, sich näher anzuschließen, und doch von einererrötenden Blödigkeit zurückgehalten wird. Mein edles Roß meintehingegen, ich hätte ein freies, unbefangenes, chevalereskes Wesen, undmeine zuvorgrüßende Höflichkeit bedeute bloß den Wunsch, einmalvon ihnen zu einem Mittagsessen eingeladen zu werden

Sie sehen, Madame, ich kann alle Menschen gebrauchen, und derAdrcßkalender ist eigentlich mein Hausinventarinm. Ich kann daherauch nie bankerott werden, denn meine Gläubiger selbst würde ich inErwerbsquellen verwandeln. Außerdem, wie gesagt, lebe ich wirklichsehr ökonomisch, verdammt ökonomisch. Z. B. während ich diesesschreibe, sitze ich in einer dunklen, betrübten Stube auf der Düstern-straße aber ich ertrage es gern, ich könnte ja, wenn ich nur wollte,im schönsten Garten sitzen, ebensogut wie meine Freunde und Lieben;ich brauchte nur ineine Schnapsklienten zu realisieren. Diese letzteren,Madame, bestehen nnS verdorbenen Friseuren, heruntergekommenen