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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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120 Ideen ober das Buch Le Grand.

Im Grunde, warum sollte ich sie auch ausüben? Ich habe desGuten so viel zu schreiben, daß ich nicht lange Federlesens zu machenbrauche. So lange mein Herz voll Liebe und der Kopf meiner Neben-menschen voll Narrheit ist, wird es mir nie an Stoff zum Schreibenfehlen. Und mein Herz wird immer lieben, so lange es Frauen giebt;erkaltet es für die eine, so erglüht es gleich für die andere; wie inFrankreich der König nie stirbt, so stirbt auch nie die Königin inmeinem Herzen, und da heißt es: Ua, rsins sst rnorts, vivs 1a, rsins!Auf gleiche Weise wird auch die Narrheit meiner Nebenmenschen nieaussterben. Denn es giebt nur eine einzige Klugheit, und diese hatihre bestimmten Grenzen; aber es giebt tausend unermeßliche Narr-heiten. Der gelehrte Kasuist und Seelsorger Schupp sagt sogar:Inder Welt sind mehr Narren als Menschen"

viä. Schuppii lehrreiche Schriften, S. 1121.

Bedenkt man, daß der große Schnppius in Hamburg gewohnthat, so findet man diese statistische Angabe gar nicht übertrieben. Ichbefinde mich an demselben Orte, und kann sagen, daß mir ordentlichwohl wird, wenn ich bedenke, all diese Narren, die ich hier sehe, kannich in meinen Schriften gebrauchen, sie sind bareS Honorar, baresGeld. Ich befinde mich jetzt so recht in der Wolle. Der Herr hatmich gesegnet, die Narren sind dieses Jahr ganz besonders gut ge-raten, und als guter Wirt konsumiere ich nur wenige, suche mir dieergiebigsten heraus und bewahre sie für die Zukunft. Man siehtmich oft auf der Promenade und sieht mich lustig und fröhlich. Wieein reicher Kaufmann, der händereibend vergnügt zwischen den Kisten,Fässern und Ballen seines Warenlagers umherwandclt, so wandle ichdann unter meinen Leuten. Ihr seid alle die Meinigen! Ihr seidmir alle gleich teuer, und ich liebe euch, wie ihr selbst euer Geld liebt,und das will viel sagen. Ich mußte herzlich lachen, als ich jüngsthörte, einer meiner Leute habe sich besorglich geäußert, er wisse nicht,wovon ich einst leben würde und dennoch ist er selbst ein so kapi-taler Narr, daß ich von ihm allein schon leben könnte, wie von einemKapitale. Mancher Narr ist mir aber nicht bloß bares Geld, son-dern ich habe das bare Geld, das ich aus ihm erschreiben kann, schonzu irgend einem Zwecke bestimmt. So z. B. für einen gewissen,wohlgcpolstertcn dicken Millionnarren werde ich nur einen gewissen,wohlgepolsterten Stuhl anschaffen, den die Französinnen vllaiss psroesnennen. Für seine dicke Millionnärrin kaufe ich mir ein Pferd. Seheich nun den Dicken ein Kamel kommt eher ins Himmelreich, alsdaß dieser Mann durch ein Nadelöhr geht sehe ich nun diesen aufder Promenade heranwatscheln, so wird mir wunderlich zu Mute;vbschvn ich ihm ganz unbekannt bin, so grüße ich ihn unwillkürlich,und er grüßt wieder so herzlich, so einladend, daß ich auf der Stellevon seiner Güte Gebranch machen möchte, und doch in Verlegenheit