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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
118
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118 Ideen oder das Buch Le Grand.

auf seinem goldenen Wagen mit weißen Rossen vom Campv Martiieinherfuhr, wie ein Gott hervorragend aus dem feierlichen Zuge derLiktorcn, Musikanten, Tänzer, Priester, Sklaven, Elefanten, Trophäen-träger, Konsuln, Senatoren, Soldaten: dann sang der Pöbel hinten-drein allerlei Spvttlieder. — Und sie wissen, Madame, daß es imlieben Deutschland viele alte Weiber und Pöbel giebt.

Wie gesagt, Madame, die Ideen, von denen hier die Rede ist,sind von den platonischen ebensoweit entfernt wie Athen von Göttingen,und Sie dürfen von dem Buche selbst ebensowenig große Erwartungenhegen, als von dem Verfasser selbst. Wahrlich, wie dieser überhauptjemals dergleichen Erwartungen erregen konnte, ist mir ebenso un-begreiflich als meinen Freunden. Gräfin Julie will die Sache er-klären, und versichert, wenn der besagte Verfasser zuweilen etwaswirklich Geistreiches und Nengedachies ausspreche, so sei dies bloßVerstellung von ihm, und im Grunde sei er ebenso dumm wie dieübrigen. Das ist falsch, ich verstelle mich gar nicht, ich spreche wiemir der Schnabel gewachsen, ich schreibe in aller Unschuld und Ein-falt, was mir in den Sinn kommt, und ich bin nicht daran schuld,wenn das etwas Gescheites ist. Aber ich habe nun mal im schreibenmehr Glück als in der Altonacr Lotterie — ich wollte, der Fall wäreumgekehrt — und da kommt aus meiner Feder mancher Herztreffer,manche Gedankengnaterne, und das thnt Gott; — denn Er, der denfrommsten Elohasnngern und Erbannngspoetcn alle schönen Gedankenund allen Ruhm in der Littcratur versagt, damit sie nicht von ihrenirdischen Mitkreatnrcn zu sehr gelobt werden und dadurch des Himmelsvergessen, wo ihnen schon von den Engeln das Quartier zurecht ge-macht wird: — Er Pflegt uns andere, profane, sündhafte, ketzerischeSchriftsteller, fiir die der Himmel doch so gut wie vernagelt ist, destomehr mit vorzüglichen Gedanken und Menschenruhm zu segnen, undzwar ans göttlicher Gnade und Barmherzigkeit, damit die arme Seele,die doch nun einmal erschaffen ist, nicht ganz leer ausgehe und wenig-stens hieniedcn ans Erden einen Teil jener Wonne empfinde, die ihrdort oben versagt ist.

vrcl. Goethe und die Traktätchenvcrfasser.

Sie sehen also, Madame, Sic dürfen meine Schriften lesen, diesezeugen von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, ich schreibe imblinden Vertrauen ans dessen Allmacht, ich bin in dieser Hinsicht einecht christlicher Schriftsteller, und, um mit Gnbitz zu reden, währendich eben diese gegenwärtige Periode anfange, weiß ich noch nicht, wieich sie schließe und was ich eigentlich sagen soll, und ich verlasse michdafür ans den lieben Gott. Und wie könnte ich auch schreiben ohnediese fromme Zuversicht, in meinem Zimmer steht jetzt der Burscheans der Langhoffschen Druckerei und wartet auf Mannskript, daskaum geborene Wort wandert warm und »aß in die Presse, und