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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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l 04 Ideen oder das Buch Le Grand.

seine Knöpfe spiegelblank Putzen nnd seine Weste mit Kreide weißen denn Mvnsicnr Le Grand wollte gerne gefallen ^ und ich folgteihm auch auf die Wache, nach dem Appell, nach der Parade, dawar nichts als Wasfenglanz nnd Lustigkeit las jours eis isks sontpasses! Monsieur Le Grand wnßte nur wenig gebrochenes Deutsch,mir die Hanptansdrücke Brot, Kuß, Ehre doch konnte er sichauf der Trommel sehr gut verstandlich machen; z. B. wenn ich nichtwußte, was das Wort Zibsrts" bedeute, so trommelte er den Mar-seille! Marsch und ich verstand ihn. Wußte ich nicht die Bedeu-tung des Wortes .L^alits", so trommelte er den Marsch »sa ira, tzu

ira Iss aristoorats a 1a luntsrns!^ nnd ich verstand ihn.

Wnßte ich nicht, wasbsiüsg" sei, so trommelte er den DcssauerMarsch, den wir Deutschen, wie auch Goethe berichtet, in der Cham-pagne getrommelt nnd ich verstand ihn. Er wollte mir mal daSWort1'^.IIsrnaAns" erklären, und er trommelte jene allzu einfacheUrmelodic, die man oft an Markttagen bei tanzenden Hunden hört,nämlich Dum Dura Dum ich ärgerte mich, aber ich ver-stand ihn doch.

Auf ähnliche Weise lehrte er mich anch die neuere Geschichte. Ichverstand zwar nicht die Worte, die er sprach, aber da er während desSprechens beständig trommelte, so wnßte ich doch, was er sagenwollte. Im Grunde ist das die beste Lehrmethode. Die Geschichtevon der Bestürmung der Bastille, der Tuilcrieu u. s. w. begreift manerst recht, wenn man weiß, wie bei solchen Gelegenheiten getrommeltwurde. In unseren Schulkompendien liest man bloß:IhreExcellenzcn die Barone nnd Grafen hochdcro Gemahlinnen wurdengeköpft Ihre Messen die Herzöge und Prinzen und höchstdervGemahlinnen wurden geköpft Ihre Majestät der König und allcr-höchstdero Gemahlin wurden geköpft" aber wenn man den rotenGuillotinenmarsch trommeln hört, so begreift man dieses erst recht,und man erfährt das Warum und das Wie. Madame, das ist eingar wunderlicher Marsch! Er durchschnuderte mir Mark und Bein,als ich ihn zuerst hörte, und ich war froh, daß ich ihn vergaß.Man vergißt so etwas, wenn man älter wird, ein junger Mann hatjetzt so viel anderes Wissen im Kopf zu behalten Whist, Boston,genealogische Tabellen, Buudestagsbeschlüsse, Dramaturgie, Liturgie,Vorschneiden und wirklich, trotz allem Stirnreiben konnte ich michlange Zeit nicht mehr auf jene gewaltige Melodie besinnen. Aberdenken Sie sich, Madame! unlängst sitze ich an der Tafel mit einerganzen Menageric von Grafen, Prinzen, Prinzessinnen, Kammcrhcrrcn,Hosmarschallinnen, Hvfschenken, Oberhofmeisterinnen, Hofsilberbewah-rern, Hofjägcrmeistcrinncn, und wie diese vornehmen Domestiken nochaußerdem heißen mögen, und ihre Untcrdvmestiken liefen hinter ihrenStühlen nnd schoben ihnen die gefüllten Teller vors Maul ich