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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
103
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Ideen oder das Buch Le Grand. 103

Eingötzentnm. Vielleicht war jene Mythologie ini Grunde nicht sounmoralisch, wie man sie verschrieen hat. es ist z, B, ein sehr amständiger Gedanke Homers, daß er jener vielbelicbtcn Venus einenGemahl zur Seite gab.

Am allerbesten aber erging es mir in der französischen Klassedes Abbs d'Aulnoi. eines emigrierten Franzosen, der eine MengeGrammatiken geschrieben, und eine rote Perücke trug, und gar pfiffigumhersprang, wenn er seine ^.rt xostigus und seine Hisboirs alle-innnäs vortrug. Er war im ganzen Gymnasium der einzige,welcher deutsche Geschichte lehrte. Indessen auch das Französische hatseine Schwierigkeiten, und zur Erlernung desselben gehört viel Ein-quartierung, viel Getrommel, viel ^pxronckrs pur oosur, und vorallem darf man kein Lsts nllsmaircls sein. Doch gab es manchessaure Wort. Ich erinnere mich noch so gut, als wäre es erst gesterngeschehen, daß ich durch 1a rsIlAion viel Unannehmlichkeiten erfahren.Wohl sechsmal erging an mich die Frage: Hanrz-, wie heißt derGlaube auf französisch? lind sechsmal und immer weinerlicher ant-wortete ich: Er heißt: Is credit. lind beim siebenten Male, kirsch-braun im Gesichte, rief der wütende Examinntor: Er heißt: in rsli-Aion und es regnete Prügel, und alle Kameraden lachten. Madame! seit der Zeit kann ich das Wort rsli-rion nicht erwähnen hören,ohne daß mein Rücken blaß vor Schrecken und meine Wange rot vorScham wird. Und ehrlich gestanden, 1s credit hat mir im Lebenmehr genützt als 1a rslig-ion. In diesem Augenblick fällt mir ein,daß ich dem Löwenwirt in Bologna noch fünf Thalcr schuldig bin.Und wahrhaftig, ich mache mich anheischig, dem Löwenwirt noch fünfThaler extra schuldig zu sein, wenn ich nur das unglückselige Wort1a reli^ion in diesem Leben nimmermehr zu hören brauche.

Uarblsu, Na.da.ins! ich habe es im Französischen weit gebracht!Ich verstehe nicht nur katois, sondern sogar adliges Bonnenfranzösisch.Noch unlängst in einer noblen Gesellschaft verstand ich fast die Hälftevon dem Diskurs zweier deutscher Komtessen, wovon jede über vier-undsechzig Jahr und cbensvvicle Ahnen zählte. Ja, im Cafs Royalzu Berlin hörte ich einmal den Monsieur Michel Martens französischParlieren und verstand jedes Wort, obschon kein Verstand darin war.Man muß den Geist der Sprache kennen, und diesen lernt man ambesten durch Trommeln. Lardlsu! wieviel verdanke ich nicht demfranzösischen Tambour, der so lange bei uns in Quartier lag, undwie ein Teufel aussah, und doch von Herzen so engelgut war, undso ganz vorzüglich trommelte.

Es war eine kleine, bewegliche Figur mit einem fürchterlichenschwarzen Schnurrbarte, worunter sich die roten Lippen trotzig hervor-bäumten, während die feurigen Augen hin und her schössen.

Ich kleiner Junge hing an ihm wie eine Klette, und half ihm