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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Ideen oder das Buch Le Grand. 101

das Latein erst hätten lernen sollen. Diese glücklichen Leute wußtenschvn in der Wiege, welche Nomina den Accusativ ans im haben. Ichhingegen mußte sie im Schweiße meines Angesichts auswendig lernen;aber es ist dach immer gut, daß ich sie weiß. Denn hätte ich z. B.den 20. Juli 1825, als ich öffentlich in der Aula zu Güttingen la-teinisch disputierte Madame, es war der Mühe wert, zuzuhörenhätte ich da sio-rpsm statt sinupiin gesagt, so wurden es vielleichtdie anwesenden Füchse gemerkt haben, und daS wäre für mich eineewige Schande gewesen. Vis, buris, sitis, tussis, vnoumis, ainussis,Vanuatus, sinapis Diese Wörter, die sv viel Aufsehen in der Weltgemacht haben, bewirkten dieses, indem sie sich zu einer bestimmtenKlasse schlugen und dennoch eine Ausnahme blieben; deshalb achteich sie sehr, und daß ich sie bei der Hand habe, wenn ich sie etwaplötzlich brauchen sollte, das gicbt mir in manchen trüben Stundendes Lebens viel innere Beruhigung und Trost. Aber Madame, dievsrda, irrsAularia sie unterscheiden sich von den vsrbis rvKu-laridus dadurch, daß man bei ihnen noch mehr Prügel bekommtsie sind gar entsetzlich schwer. In den dumpfen Bogengängen desFranziskancrklostcrs, unfern der Schulstube, hing damals ein großer,gekreuzigter Christus von grauem Holze, ein wüstes Bild, daS nochjetzt zuweilen des Nachts durch meine Träume schreitet, und michtraurig ansieht mit starren, blutigen Augen vor diesem Bildestand ich oft und betete: O du armer, ebenfalls gequälter Gott, wennes dir nur irgend möglich ist, sv sieh doch zu, daß ich die vsrlm irrg-Aularia im Kopfe behalte.

Vom Griechischen will ich gar nicht sprechen, ich ärgere mich sonstzu viel. Die Mönche im Mittelalter hatten sv ganz unrecht nicht,wenn sie behaupteten, daß das Griechische eine Erfindung des Teufelssei. Gott kennt die Leiden, die ich dabei ausgestanden. Mit demHebräischen ging es besser, denn ich hatte immer eine große Vorliebefür die Juden, obgleich sie, bis auf diese Stunde, meinen gutenNamen kreuzigen; aber ich konnte es doch im Hebräischen nicht soweit bringen wie meine Taschenuhr, die viel intimen Umgang mitPfandvcrleihcrn hatte, und dadurch manche jüdische Sitte annahmz. B. des Sonnabends ging sie nicht und die heilige Sprachelernte, und sie auch späterhin grammatisch trieb; wie ich denn oft inschlaflosen Nächten mit Erstaunen hörte, daß sie beständig vor sichhin Pickertc: katal, katalta, katalti kittcl, kittalta, kittaltipvkat, pokadeti pikat Pik Pik

Indessen von der deutschen Sprache begriff ich vielmehr, und dieist doch nicht so gar kinderleicht. Denn wir armen Deutschen, diewir schvn mit Einquartierungen, Militärpflichten, Kopfsteuern undtausenderlei Abgaben genug geplagt sind, nur haben uns noch oben-drein den Adelung aufgesackt und quälen uns einander mit dem