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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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Ideen oder das Buch Le Grand. 97

den süßen, duftenden Apfeltörtchenton angeschlagen hätte, lind wahrlich,nie wurden Apfcltörtchen mich so sehr angereizt haben, hätte derkrumme Hermann sie nicht so geheimnisvoll mit seiner weißen Schürzebedeckt — und die Schürzen sind eS, welche — doch sie bringen michaus dem Kontext, ich sprach ja von der Reiterstatue, die so viel silberneLöffel im Leibe hat, und keine Suppe, und den Kurfürsten JanWilhelm darstellt.

Es soll ein braver Herr gewesen sein, und sehr knnstliebend, undselbst sehr geschickt. Er stiftete die Gemäldegalerie in Düsseldorf, undans dem dortigen Observatorium zeigt man noch einen überaus künst-lichen Einschachtlungsbccher von Holz, den er selbst in seinen Frei-stunden — er hatte deren täglich vicrnndzwanzig — geschnitzelt hat.

Danials waren die Fürsten noch keine geplagte Leute wie jetzt,und die Krone war ihnen am Kopse festgewachsen, und des Nachtszogen sie noch eine Schlafmütze darüber, und schliefen ruhig, undruhig zu ihren Füßen schliefen die Völker, und wenn diese des Mvr-gens erwachten, so sagten sie: „Guten Morgen, Vater!" und jeneantworteten: „Guten Morgen, liebe Kinder!"

Nher es wurde plötzlich anders. Als wir eines Morgens zuDüsseldorf erwachten, und „Guten Morgen, Vater!" sagen wollten,da war der Vater abgereist, und in der ganzen Stadt war nichts alsstumpfe Beklemmung, es war überall eine Art Begräbnisstimmung,und die Leute schlichen schweigend nach dem Markte, und lasen denlangen papiernen Anschlag auf der Thür des Rathauses. Es warein trübes Wetter, und der dünne Schneider Kilian stand dennochin seiner Nankingjacke, die er sonst nur im Hause trug und die blau-wollenen Strümpfe hingen ihm herab, daß die nackten Bciuchen be-trübt hervorguckten, und seine schmalen Lippen bebten, während erdas angeschlagene Plakat vor sich hinmurmelte. Ein alter pfälzischerInvalide las etwas lauter, und bei manchem Worte träufelte ihmeine klare Thräne in den weißen, ehrlichen Schnauzbart. Ich standneben ihm und weinte mit, und frug ihn, warum wir weinten. Undda antwortete er: „Der Kurfürst läßt sich bedanken." Und dann laser wieder, und bei den Worten: „für die bewahrte Unterthanstreue"„und entbinden euch eurer Pflichten", da weinte er noch stärker. —Es ist wunderlich anzusehen, wenn so ein alter Manu, mit ver-blichener Uniform und vernarbtem Soldatcngesicht, plötzlich so starkweint. Während wir lasen, wurde auch das kurfürstliche Wappenvom Rathause herunter genommen, alles gestaltete sich so beängstigendöde, es war, als ob man eine Sonnenfinsternis erwarte, die HerrenRatsherrcn gingen so abgedankt und langsam umher, sogar der all-gewaltige Gasscnvogt sah ans, als wenn er nichts mehr zu befehlenhätte, und stand da so friedlich-gleichgültig, obgleich der tolle Aloysiussich wieder auf ein Bein stellte und mit närrischer Grimasse die Namen

Heiue'S Werke. V. Bd. 7