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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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38 Ideen oder das Blich Le Grand.

der französischen Generale herschnatterte, während der besoffene krummeGumpertz sich in der Gosse herumwälzte und sa ira, tzu ira! sang.

Ich aber ging nach Hause, und weinte und klagte:Der Kur-fürst läßt sich bedanken." Meine Mutter hatte ihre liebe Not, ichwußte, was ich wußte, ich ließ mir nichts ausreden, ich ging weinendzu Bette, und in der Nacht träumte mir, die Welt habe ein Endedie schönen Blumengärten und grünen Wiesen wurden wie Teppichevom Boden aufgenommen und zusammengerollt, der Gasseuvvgt stiegauf eine hohe Leiter und nahm die Sonne vom Himmel herab, derSchneider Kilian stand dabei und sprach zu mir selber:Ich mußnach Hause gehen und mich hübsch anziehen, denn ich bin tot undsoll noch heute begraben werden" und es wurde immer dunkler,spärlich schimmerten oben einige Sterne und auch diese fielen herabwie gelbe Blätter im Herbste, allmählich verschwanden die Menschen,ich armes Kind irrte ängstlich umher, stand endlich vor der WeidenHecke eines wüsten Bauernhofes und sah dort einen Mann, der mitdeili Spaten die Erde aufwühlte, und neben ihm ein häßlich hämischesWeib, das etwas wie einen abgeschnittenen Menschenkvpf in derSchürze hielt, und das war der Mond und sie legte ihn ängstlichsorgsam in die offene Grube und hinter mir stand der PfälzischeInvalide und schluchzte und buchstabierte:Der Kurfürst läßt sichbedanken."

Als ich erwachte, schien die Sonne wieder wie gewöhnlich durchdas Fenster, auf der Straße ging die Trommel, und als ich in unsereWohnstube trat und meinem Vater, der im weißen Pudcrmantcl saß,einen guten Mvrgen bot, hörte ich, wie der leichtfüßige Friseur ihmwährend des Frisicrens haarklein erzählte, daß heute auf dem RatHause dem neuen Großhcrzog Joachim gehuldigt werde, und daß dieservon der besten Familie sei, und die Schwester des Kaisers Napoleonzur Frau bekommen, und auch wirklich viel Anstand besitze, und seinschönes schwarzes Haar in Locken trage, und nächstens seinen Einzughalten und sicher allen Frauenzimmern gefallen müsse. Unterdessenging das Getrommel ans der Straße immer fort, und ich trat vordie Hausthür und besah die einmarschierenden französischen Truppen,das freudige Volk des Ruhmes, das singend und klingend die Weltdurchzog, die heiter-ernsten Grcnadicrgesichtcr, die Bärcnmützen, diedreifarbigen Kokarden, die blinkenden Bajonette, die Voltigeurs vollLustigkeit und Point d'honueur, und den allmächtig großen, silbergestickten Tambvnrmajvr, der seinen Stock mit dem vergoldeten Knopfbis an die erste Etage werfen konnte und seine Augen sogar bis zurzweiten Etage, wo ebenfalls schöne Mädchen am Fenster saßen. Ichfreute mich, daß wir Einquartierung bekämen meine Mutter freutesich nicht und ich eilte nach dem Marktplatz. Da sah es jetzt ganzanders auS, eS war, als ob die Welt neu angestrichen worden, ein