W Ideen oder das Buch Le Grand.
man ihn herauszog, war er naß und tot. Das Kätzchen hat nochlange Zeit gelebt.
Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Fernean sie denkt, und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlichzu Mute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müßte ich gleichnach Hause gchn. Ilud wenn ich sage, nach Hause zehn, so meineich die Bolkcrstraße und das Hans, worin ich geboren bin. DiesesHaus wird einst sehr merkwürdig sein und der alten Frau, die eSbesitzt, habe ich sagen lassen, daß sie beileibe das Haus nicht verkaufensolle. Für das ganze Haus bekäme sie jetzt doch kaum so viel, wieschon allein das Trinkgeld betragen wird, das einst die grünverschleier-ten, vornehmen Engländerinnen dem Dienstmädchen geben, wenn esihnen die Stube zeigt, worin ich daS Licht der Welt erblickt, und denHühnerwinkel, worin mich Bater gewöhnlich einsperrte, wenn ichTranben genascht, und auch die braune Thür, worauf Mutter michdie Buchstaben mit Kreide schreiben lehrte — ach Gott! Madame,wenn ich ein berühmter Schriftsteller werde, so hat das meiner armenMnttcr genug Mühe gekostet.
Aber mein Ruhm schläft jetzt noch in den Marmorbrüchen vonCarrara, der Makulatur-Lorbeer, womit man meine Stirn geschmückt,hat seinen Duft noch nicht durch die ganze Welt verbreitet, und wennjetzt die grünverschleiertcn, vornehmen Engländerinnen nach Düsse!dorf kommen, so lassen sie das berühmte Haus noch unbcsichtigt undgehen direkt nach dem Marktplätze, und betrachten die dort in derMitte stehende schwarze, kolossale Reiterstatuc. Diese soll den Kurfürstcn Jan Wilhelm vorstellen. Er trägt einen schwarzen Harnisch,eine tief herabhängende Allvngcperückc. — Als Knabe hörte ich dieSage, der Künstler, der diese Statue gegossen, habe während desGießens mit Schrecken bemerkt, daß sein Metall nicht dazu ausreiche,und da wären die Bürger der Stadt herbeigelaufen, und hätten ihmihre silbernen Löffel gebracht, um den Guß zu vollenden — und nunstand ich stundenlang vor dem Reitcrbildc, und zerbrach mir den Kopf,wieviel silberne Löffel wohl darin stecken mögen, und wieviel Apfel-törtchen man wohl für all das Silber bekommen könnte? Apscl-törtchcn waren nämlich damals meine Passion — jetzt ist es Liebe,Wahrheit, Freiheit und Krebssuppe — und eben unweit des Kur-fürstenbildes, an der Thcatcrecke, stand gewöhnlich der wunderlich ge-backenc, säbelbeinige Kerl mit der weißen Schürze und dem umgehängtenKorbe voll lieblich dampfender Apfeltörtchen, die er mit einer unwider-stehlichen Diskantstimme anzupreisen wußte: „Die Apfeltörtchen sindganz frisch, eben aus dem Ofen, riechen so delikat." — Wahrlich,wenn in meinen späteren Jahren der Versucher mir beikommen wollte,so sprach er mit solcher lockenden Diskantstimme, und bei SignoraGiulietta wäre ich keine volle zwölf Stunden geblieben, wenn sie nicht