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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
91
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Ideen oder das Buch Le Grand. 91

kann, wenn ich rückwärts lebe im Leben der Vorfahren, nnd mir dieEwigkeit erobere im Reiche der Vergangenheit.

lind ich lebe! Der große Pnlsschlag der Natur bebt auch inmeiner Brust, und wenn ich jauchze, antwortet mir ein tausendfältigesEcho. Ich höre tausend Nachtigallen. Der Frühling hat sie gesendet,die Erde aus ihrem Morgcuschlummer zu wecken, und die Erde schauertvor Entzücken, ihre Blnmen sind die Hymnen, die sie in Begcisternngder Sonne entgcgcnsiugt die Sonne bewegt sich viel zu langsam,ich möchte ihre Feucrrvsse peitschen, damit sie schneller dahinjagcnAber wenn sie zischend ins Meer hinabsinkt, und die große Nachtheraufsteigt mit ihrem großen sehnsüchtigen Auge, v! dann dnrchbcbtmich erst recht die rechte Lust, wie schmeichelnde Mädchen legen sichdie Abendlüfte au mein brausendes Herz, und die Sterne winken,und ich erhebe mich, und schwebe über der kleinen Erde nnd denkleinen Gedanken der Menschen.

Kapitel IV.

Aber einst wird kommen der Tag, und die Glut in meinen Adertlist erloschen, in meiner Brnst wohnt der Winter, seine weißen Flockenumflattern spärlich mein Hanpt, nnd seine Nebel verschleiern meinAuge. In verwitterten Gräbern liegen meine Freunde, ich alleinbin zurückgeblieben, wie ein einsamer Halm, den der Schnitter ver-gessen, ein neues Geschlecht ist hervorgebliiht mit neuen Wünschen nndGedanken, voller Verwunderung höre ich neue Namen und neueLieder, die alten Namen sind verschollen, nnd ich selbst bin verschollen,vielleicht noch von wenigen geehrt, von vielen verhöhnt, nnd von nie-manden geliebt! lind es springen heran zu mir die roscnwangigenKnaben, und drücken mir die alte Harfe in die zitternde Hand, nndsprechen lachend! Du hast schon lange geschwiegen, du fanler Grau-kopf, sing' uns wieder Gesänge von den Träumen deiner Jugend!

Dann ergreife ich die Harfe, nnd die alten Freuden und Schmerzenerwachen, die Nebel zerrinnen, Thränen blühen wieder aus meinentoten Augen, es frühlingt wieder in meiner Brust, süße Tone derWehmut beben in den Saiten der Harfe, ich sehe wieder den blauenFluß nnd die marmornen Paläste nnd die schönen Frauen- nnd Mäd-chcngesichter nnd ich singe ein Lied von den Blnmen der Brcnta.

Es wird mein letztes Lied sein, die Sterne werden mich anblickenwie in den Nächten meiner Jugend, das verliebte Mondlicht küßtwieder meine Wangen, die Geisterchöre verstorbener Nachtigallen flötenans der Ferne, schlaftrunken schließen sich meine Augen, meine Seeleverhallt wie die Töne meiner Harfe cS duften die Blumen der Brcnta.

Ein Banm wird meinen Grabstein beschatten. Ich hätte gerneine Palme, aber diese gedeiht nicht im Norden. Es wird wohl eineLinde sein, nnd SvmmerabcndS »verde» dort die Liebenden sitzen nnd