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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Norderney. 7 9

hat in nicht minder steinernen Worten, in seiner Edda, diesen Götter-nntergang ausgesprochen; das Lied der Nibelungen besingt dasselbetragische Verderben, und hat in seinem Schlüsse noch ganz besondereÄhnlichkeit mit der Segurschen Beschreibung des Brandes von Moskau;das Rvlandslied von der Schlacht bei Roncesvalles, dessen Worte ver-schollen, dessen Sage aber noch nicht erloschen, und noch unlängst voneinem der größten Dichter des Vaterlandes, von Jmmerniann, herauf-beschworen worden, ist ebenfalls der alte Unglücksgesang; und gardas Lied von Jlion verherrlicht am schönsten das alte Thema, undist doch nicht großartiger und schmerzlicher als das französische Volks-lied, worin Segur den Untergang seiner Heroenwelt besungen hat.Ja, dieses ist An wahres Epos, Frankreichs Heldensugend ist derschöne HeroS, der früh dahinsinkt, wie wir solches Leid schon sahenin dem Tode Baldurs, Siegfrieds, Rolands und Achilles', die ebensodurch Unglück und Verrat gefallen; und jene Helden, die wir in derJlias bewundert, wir finden sie wieder im Liede des Segur, wirsehen sie ratschlagen, zanken und kämpfen, wie einst vor dem MischenThore; ist auch die Jacke des Königs von Neapel etwas allzu bunt-scheckig modern, so ist doch sein Schlachtmut und Übermut ebenso groß,wie der des Peliden; ein Hcktvr an Milde und Tapferkeit, steht voruns Prinz Eugen, der edle Ritter; Ney kämpft wie ein Ajax, Bcrthierist ein Nestor ohne Weisheit, Davoust, Daru, Caulincvurt u. s. w.,in ihnen wohnen die Seelen des Menelaos, des Odysseus, des Dio-medes nur der Kaiser selbst findet nicht seinesgleichen, in seinemHaupte ist der Olymp des Gedichtes, und wenn ich ihn in seineräußeren Herrschererscheinung mit dem Agamemnon vergleiche, so ge-schieht das, weil ihn, ebenso wie den größten Teil seiner herrlichenKampfgenossen, ein tragisches Schicksal erwartete, und weil seinOrestes noch lebt.

Wie die Scottschcn Dichtungen hat auch das Segursche EpoSeinen Ton, der unsere Herzen bezwingt. Aber dieser Ton weckt nichtdie Liebe zu längst verschollenen Tagen der Vorzeit, sondern es istein Ton, dessen Klangfigur uns die Gegenwart giebt, ein Ton, deruns für eben diese Gegenwart begeistert.

Wir Deutschen sind doch wahre Peter Schlemihle! Wir habenauch in der letzten Zeit viel gesehen, viel ertragen, z. B. Einquar-tierung und Adelsstolz; und wir haben unser edelstes Blut hin-gegeben, z. B. an England, das noch jetzt jährlich eine anständigeSumme für abgeschossene deutsche Arme und Beine ihren ehemaligenEigentümern zu bezahlen hat; und wir haben im kleinen so vielGroßes gethan, daß, wenn man es zusammenrechnete, die größtenThaten herauskämen, z. B. in Tirol; und wir haben viel verloren,z. B. unseren Schlagschatten, den Titel des lieben heiligen römischenReichs und dennoch, mit allen Verlusten, Opfern, Entbehrungen,