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mit Bestimmthcit sagen: das Buch wird gelesen werden vom Aufgangbis zum Niedergang, und wir Deutschen werden es übersetzend)
Wir haben auch den Segur übersetzt. Nicht wahr, es ist einhübsches, episches Gedicht? Wir Deutschen schreiben auch epische Ge-dichte, aber die Helden derselben existieren bloß in unserem Kopfe.Hingegen die Helden dcS französischen Epos sind wirkliche Helden, dieviel größere Thaten vollbracht und viel größere Leiden gelitten, alswir in unseren Dachstübchen ersinnen können. Und wir haben dochviel Phantasie, und die Franzosen haben nur wenig. Vielleicht hatdeshalb der liebe Gott den Franzosen ans eine andere Art nachgeholfenund sie brauchen nur treu zu erzählen, was sie in den letzten dreißigJahren gesehen und gethan, und sie haben eine erlebte Litteratnr,wie noch kein Volk und keine Zeit sie hervorgebracht. Diese Memoirenvon Staatsleutcn, Soldaten und edlen Frauen, wie sie in Frankreichtäglich erscheinen, bilden einen Sagenkreis, woran die Nachwelt genugzu denken und zu singen hat, und worin als dessen Mittelpunkt dasLeben des großen Kaisers wie ein Niescnbanm emporragt. DieSegnrsche Geschichte des RnßlandszugeS ist ein Lied, ein französischesVolkslied, das zu diesem Sagenkreise gehört, und in seinem Tone undStoffe den epischen Dichtungen aller Zeiten gleicht und gleichsteht.Ein Heldengeschlecht, das durch den Zauberspruch „Freiheit und Gleich-heit" ans dem Boden Frankreichs emporgeschossen, hat wie im Trinmph-zng, berauscht von Ruhm und geführt von dem Gotte des Ruhmesselbst, die Welt durchzogen, erschreckt und verherrlicht, tanzt endlichden rasselnden Wafsentanz auf den Eisfeldern des Nordens, und diesebrechen ein, und die Söhne des Feuers und der Freiheit gehen zuGrunde durch Kälte und Sklaven.
Solche Beschreibung oder Prophezeiung des Untergangs einerHeldcnwclt ist Grnndton und Stoff der epischen Dichtungen allerVölker. Auf den Felsen von Ellorc und anderer indischer Grottcn-tempel steht solche epische Katastrophe eingegraben mit Riesenhiero-glyphen, deren Schlüssel im Mahabarata zu finden ist; der Norden
Die vorhergehenden Seiten wurden 18S6 geschrieben, und im folgendenJahre im zweiten Band der „Nciscbilder" abgedruckt. I8S8 erschien die „Ge-schichte Napoleon Bonapartcs" von Walter Scott, und zu meinem großen Schmerzesah ich, daß das Prognostiken, welches ich dem Buche gestellt, in Erfüllung ge-gangen war; auch machte es ein vollständiges Fiasko, und seit diesem traurigenEreignis ist der littcrarische Stern des großen Unbekannten erloschen. Das Über-maß von Arbeit, welches er sich aufgebürdet, um den Ansprüchen seiner Gläubigergerecht zn werden, hatte die Gesundheit Walter Scotts untergraben; nichtsdesto-weniger mühte er sich, noch einige langweilige, fast alberne Romane zn schreiben,und bald daraus starb er. Zu der Zeit, als sein Buch über Napoleon, diese zwöls-bändige Blasphemie, erschien, befand ich mich in München, wo ich eine Monats-schrift, die „Politischen Annalen", herausgab, und für dies Journal schrieb ich denAufsaß über das Buch, welchen ich später, ILM, in den vierten Band der „Ncisc-bilder" lEnglischc Fragmente, V; ausnahm.
Anmerkung Heines zur französischen Ausgabe.