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klein, und an die großen europäischen Zeitvcrwandlungen werde Icherinnert, indem ich den kleinen Znstand unserer armen Insulanerbetrachte. Auch diese stehen an der Grenze einer solchen neuen Zeit,und ihre alte Sinneseinheit und Einfalt wird gestört durch das Ge-deihen des hiesigen Seebades, indem sie dessen Gästen täglich Neuesablauschen, was sie nicht mit ihrer altherkömmlichen Lebensweise zuvereinen wissen. Stehen sie des Abends vor den erleuchteten Fensterndes Konversationshanses und betrachten dort die Verhandlungen derHerreit und Damen, die verständlichen Blicke, die begehrlichen Gri-massen, das lüsterne Tanzen, das vergnügte Schmausen, das hab-süchtige Spielen n. s. w., so bleibt das für diese Menschen nicht ohneschlimme Folgen, die von dem Geldgewinn, der ihnen durch die Bade-anstalt zufließt, nimmermehr aufgewogen werden. Dieses Geld reichtnicht hin für die eindringenden, neuen Bedürfnisse, daher innereLebensstörnng, schlimmer Anreiz, großer Schmerz. Als ich ein Knabewar, fühlte ich immer eine brennende Sehnsucht, wenn schön gebackcneTorten, wovon ich nichts bekommen sollte, duftig-offen, bei mirvoriiber-getragcn wurden; später stachelte mich dasselbe Gefühl, wenn ichmodisch entblößte, schone Damen vorbeispaziercn sah, und ich denkejetzt, die armen Insulaner, die noch in einem Kindheitsznstande leben,haben hier oft Gelegenheit zu ähnlichen Empfindungen, und es wäregut, wenn die Eigentümer der Torten und Frauen solche etwas mehrverdeckten. Diese vielen unbedeckten Delikatessen, woran jene Leutenur die Augen weiden können, müssen ihren Appetit sehr stark wecken,und wenn die armen Insulanerinnen in ihrer Schwangerschaft allerleisüßgebackcne Gelüste bekommen und am Ende sogar Kinder zur Weltbringen, die den Badegästen ähnlich sehen, so ist das leicht zu erklären.Ich will hier durchaus auf kein unsittliches Verhältnis anspielen. DieTugend der Insulanerinnen wird durch ihre Häßlichkeit, und gar be-sonders durch ihren Fischgernch, der mir wenigstens unerträglich war,vorderhand geschützt. Auch hat man für die Badezeit eine Personvom festen Lande hieher verpflanzt, die alle Sünden der fremdenGäste in sich aufnehmen, und dadurch die Insulanerinnen vor allenschlimmen Einflüssen sichern soll. Allein das ist eine schlechte Maß-regel, die nicht für eine kleine Insel, sondern allenfalls für einegroße Seestadt paßt, Ivo die öffentlichen Personen gleichsam die Boll-werke und Blitzableiter sind, wodurch die Moralitttt der Bürgers-töchtcr geschützt wird; wie man mir denn wirklich in Hamburg einbreites Weibsbild gezeigt hat, das solchermaßen den halben Wand-rahm deckt, sowie auch eine lange, magere Blitzableitcrin, wodurchdie große Johannisstraße im Sommer gesichert wird.
Wie gesagt, die Tugend der Insulanerinnen ist vorderhand ge-schü tzt, und wenn ihre Kinder mit bndegttstlichcn Gesichtern zur Weltkommen, so würde ich darin vielmehr ein psychologisches Phänomen