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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
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42 Die Harzreise.

hatte Wisvtzki und das Theater besucht; beide beurteilte er falsch.„Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort" u, f. w. Er sprach vonGarderobeaufwand, Schauspieler- und Schauspielerinnenskandal u, s, w.Der sunge Manu wußte nicht, daß da in Berlin überhaupt der Scheinder Dinge am meisten gilt, was schon die allgemeine Redensart „manso duhn" hinlänglich andeutet, dieses Scheinwesen auf den Bretternerst recht florieren muß, und daß daher die Intendanz am meistenzu sorgen hat für die „Farbe des Barts, womit eine Rolle gespieltwird", für die Treue der Kostüme, die von beeidigten Historikernvorgezeichnet und von wissenschaftlich gebildeten Schneidern genähtwerden. Und das ist notwendig. Denn trüge mal Maria Stuarteine Schürze, die schon zum Zeitalter der Königin Anna gehört, sowürde gewiß der Bankier Christian Gnmpcl sich mit Recht beklagen,daß ihm dadurch alle Illusion verloren gehe; und hätte mal LordBnrleigh aus Versehen die Hose von Heinrich IV. angezogen, so würdegewiß die Kricgsrätin von Stcinzopf, geborene Lilienthau, diesenAnachronismus den ganzen Abend nicht aus den Augen lassen. Solchetäuschende Sorgfalt der Generalintendanz erstreckt sich aber nicht bloßauf Schürzen und Hosen, sondern auch ans die darin verwickeltenPersonen. So soll künftig der Othello von einem wirklichen Mohrengespielt werden, den Professor Lichtenstein schon zu diesem BeHufeaus Afrika verschrieben hat; in „Menschenhaß und Rene" soll künftigdie Eulalia von einem wirklich verlaufenen Weibsbilde, der Petervon einem wirtlich dummen Jungen, und der Unbekannte von einemwirklich geheimen Hahnrei gespielt werden, die man alle drei nichterst ans Afrika zu verschreiben braucht. In der „Macht der Ver-hältnisse" soll ein wirklicher Schriftsteller, der schon mal ein paarMaulschellen bekommen, die Rolle des Helden spielen; in der „Ahn-fran" soll der Künstler, der den Jaromir giebt, schon wirklich einmalgeraubt oder doch wenigstens gestohlen haben; die Lady Macbeth sollvon einer Dame gespielt werden, die zwar, wie es Ticck verlangt,von Natur sehr liebevoll, aber doch mit dem blutigen Anblick einesmcuchclmörderischcn Abstechens einigermaßen vertraut ist; und endlich,zur Darstellung gar besonders seichter, witzloser, pöbelhafter Gesellensoll der große Wurm engagiert werden, der große Wurm, der seineGeistcsgcnosscn jedesmal entzückt, wenn er sich erhebt in seiner wahrenGröße, hoch, hoch, „jeder Zoll ein Lump!" — Hatte nun obenerwähnterjunger Mensch die Verhältnisse des Berliner Schauspiels schlecht be-griffen, so merkte er noch viel weniger, daß die Spontinische Janit-scharenoper, mit ihren Pauken, Elefanten, Trompeten und Tamtams,ein heroisches Mittel ist, um unser erschlafftes Volk kriegerisch zustärken, ein Mittel, das schon Platv und Cicero staatspfiffig empfohlenhaben. Am allerwenigsten begriff der junge Mensch die diplomatischeBedeutung des Balletts. Mit Mühe zeigte ich ihm, wie in Hognets