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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Die Harzreise. 43

Füßen mehr Politik sitzt als in Buchhvlz' Kopf, wie alle seine Tanz-tonrcn diplomatische Verhandlungen bedeuten, wie jede seiner Be-wegungen eine politische Beziehung habe, so z, B, daß er unserKabinett meint, wenn er, sehnsüchtig vorgebeugt, mit den Händenweitansgreift, daß er den Bundestag meint, wenn er sich hundertmalauf einem Fuß herumdreht, ohne vom Fleck zu kommen, daß er diekleinen Fürsten im Sinne hat, wenn er wie mit gebundenen Beinenhernmtrippclt, daß er das europäische Gleichgewicht bezeichnet, wenner wie ein Trunkener hin und her schwankt, daß er einen Kongreßandeutet, wenn er die gebogenen Arme knänelartig ineinander ver-schlingt, und endlich, daß er unseren allzugroßcn Freund im Ostendarstellt, wenn er in allmählicher Entfaltung sich in die Höhe hebt,in dieser Stellung lange ruht, und plötzlich in die erschrecklichstenSprünge ausbricht. Dem jungen Manne sielen die Schuppen vonden Augen, und jetzt merkte er, warum Tänzer besser honoriert werden,als große Dichter, warum das Ballett beim diplomatischen Korps einunerschöpflicher Gegenstand des Gesprächs ist, und warum oft eineschöne Tänzerin noch privatim von dem Minister unterhalten wird,der sich gewiß Tag und Nacht abmüht, sie für sein politisches Shstemchenempfänglich zu machen. Beim Apis! wie groß ist die Zahl der exv-terischen, und wie klein die Zahl der esoterischen Theaterbesucher! Dasteht das blöde Volk und gafft, und bewundert Sprünge und Wen-dungen, und studiert Anatomie in den Stellungen der Lemicre, undapplaudiert die Entrechats der Röhnisch, und schwatzt von Grazie,Harmonie und Lenden — und keiner merkt, daß er in getanztenChiffren das Schicksal deS deutschen Vaterlandes vor Augen hat.

Während solcherlei Gespräche hin und her flogen, verlor mandoch das Nützliche nicht aus den Augen, und den großen Schüsseln,die mit Fleisch, Kartoffeln u, s, w, ehrlich angefüllt waren, wurdefleißig zugesprochen. Jedoch war das Essen schlecht. Dies erwähnteich leichthin gegen meinen Nachbar, der aber mit einem Aceente,woran ich den Schweizer erkannte, gar unhöflich antwortete, daß nurDeutschen, wie mit der wahren Freiheit, so auch mit der wahrenGenügsamkeit unbekannt seien. Ich zuckte die Achseln und bemerkte,daß die eigentlichen Fürstenknechte und Leckerkramvcrfertigcr überallSchweizer sind und vorzugsweise so genannt werden, und daß über-haupt die jetzigen schweizerischen Freiheitsheldcn, die soviel Politisch-Kühnes ins Publikum hincinschwatzen, mir immer vorkommen wieHasen, die ans öffentlichen Jahrmärkten Pistolen abschießen, alleKinder und Bauern durch ihre Kühnheit in Erstaunen setzen, unddennoch Hasen sind.

Der Sohn der Alpen hatte es gewiß nicht böse gemeint, „eswar ein dicker Mann, folglich ein guter Mann," sagt Cervantes, Abermein Nachbar von der andern Seite, ein Greifswalder, war durch