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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
30
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Dic Harzreisc.

Plötzlich schweigt die liebe Kleine,Wie vom eignen Wort erschreckt,lind sie hat niit beiden HändchenIhre Angclein bedeckt.

Lauter rauscht die Tanne draußen,lind das Spinnrad schnarrt und brummtlind die Zither klingt dazwischen,

Und dic alte Weise summt:

„Furcht' dich nicht, du liebes Kindchen,Vor der bösen Geister Macht;

Tag und Nacht, du liebes Kindchen,Halten Englein bei dir Wacht!"

II.

Tannenbaum mit grünen FingernPocht ans niedre Fensterlein,

Und der Mond, der gelbe Lauscher,Wirft sein süßes Licht herein.

Vater, Mutter schnarchen leiseIn dem nahen Schlafgemach,

Doch wir beide, selig schwatzend,

Halten uns einander wnch.°

„Daß du gar zu oft gebetet,

Das zu glauben, wird mir schwer,Jenes Zucken deiner LippenKommt wohl nicht vom Beten her.

„Jenes böse, kalte Zucken,DaS erschreckt mich jedesmal,

Doch dic dunkle Angst beschwichtigtDeiner Augen frommer Strahl.

„Auch bezweifl' ich, daß du glaubest,Was so rechter Glaube heißt,

Glaubst wohl nicht an Gott den Vater,An den Sohn und heil'gen Geist?"

Ach mein Kindchen, schon als Knabe,Als ich saß ans Muttcrs Schoß,Glaubte ich an Gott den Vater,

Der da waltet gut und groß;

Der die schöne Erd' erschaffenUnd die schönen Menschen drauf,Der den Sonnen, Mond und SternenVorgczeichnet ihren Lauf.