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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
31
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Die Harzreise.

Als ich größer wurde, Kindchen,

Noch viel mehr begriff ich schon,Und begriff, und ward vernünftig,

Und ich glaub' auch an den Sohn;

An den lieben Sohn, der liebendUns die Liebe offenbart,

Und zum Lohne, wie gebräuchlich,Von dem Volk gekreuzigt ward.

Jetzo, da ich ausgewachsen,

Viel gelesen, viel gereist,

Schwillt mein Herz, und ganz von HerzenGlaub' ich an den heil'gen Geist.

Dieser that die größten Wunder,Und viel größre thut er noch;

Er zerbrach die Zwingherrnbnrgen,Und zerbrach des Knechtes Joch.

Alte Todeswunden heilt er,

Und erneut das alte Recht:

Alle Menschen, gleichgeboren,

Sind ein adliges Geschlecht.

Er verscheucht die bösen Nebel,

Und das dunkle Hirngespinst,

Das uns Lieb' und Lust verleidet,Tag und Nacht uns angegrinst.

Tausend Ritter, wohlgewappnet,

Hat der heil'ge Geist erwählt,

Seinen Willen zu erfüllen,

Und er hat sie mutbeseelt.

Ihre teuern Schwerter blitzen,

Ihre guten Banner Wehn!

Ei, du möchtest wohl, mein Kindchen,Solche stolze Ritter sehn?

Nun, so schau mich an, mein Kindchen,Küsse mich und schaue dreist;

Denn ich selber bin ein solcherRitter von dem heil'gen Geist.

III.

Still versteckt der Mond sich draußenHinterm grünen Tannenbaum,

Und im Zimmer unsre LampeFlackert matt und leuchtet kaum.