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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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18 Die Harzrcise.

gespeist hat, und wo noch der lange hölzerne Speisetisch steht, sowieanch der große Stuhl von Erz, worauf der Herzog gesessen. Dieserbleibe zum ewigen Andenken stehen, sagte der gute Bergmann, undmit Feuer erzählte er, wie viele Festlichkeiten damals stattgesunden,wie der ganze Stollen mit Lichtern, Blumen und Laubwerk verziertgewesen, wie ein Bergknappe die Zither gespielt und gesungen, wieder vergnügte, liebe, dicke Herzog sehr viele Gesundheiten ausgetrunkenhabe, und wie viele Bergleute, und er selbst ganz besonders, sich gernwürden totschlagen lassen für den lieben, dicken Herzog und das ganzeHaus Hannover. Innig rührt es mich jedesmal, wenn ich sehe,wie sich dieses Gefühl der Untcrthanstreue in seinen einfachen Natur-lauten ausspricht. Es ist ein so schönes Gefühl! Und es ist ein sowahrhaft deutsches Gefühl! Andere Völker mögen gewandter sein undwitziger und ergötzlicher, aber keins ist so treu wie das treue deutscheVolk. Wüßte ich nicht, daß die Treue so alt ist wie die Welt, sowürde ich glauben, ein deutsches Herz habe sie erfunden! DeutscheTreue! sie ist keine moderne Adressenfloskcl. An euren Höfen, ihrdeutschen Fürsten, sollte man singen und wieder singen das Lied vondem getreuen Eckart und dem bösen Burgund, der ihm die liebenKinder töten lassen, und ihn alsdann doch noch immer treu befundenhat. Ihr habt das treueste Volk und ihr irrt, wenn ihr glaubt, deralte verständige, treue Hund sei plötzlich toll geworden, und schnappenach euren geheiligten Waden.

Wie die deutsche Treue hatte uns jetzt das kleine Grubenlichtohne viel Geflacker still und sicher geleitet durch das Labyrinth derSchachten und Stollen; wir stiegen hervor aus der dumpfigen Berg-nacht, das Sonnenlicht strahlte Glückauf!

Die meisten Bergarbeiter wohnen in Klausthal und in dem damitverbundenen Bergstädtchen Zellerfeld. Ich besuchte mehrere dieserwackeren Leute, betrachtete ihre kleine häusliche Einrichtung, hörteeinige ihrer Lieder, die sie mit der Zither, ihrem Licblingsinstrumente,gar hübsch begleiten, ließ mir alte Bergmärchen von ihnen erzählenund auch die Gebete hersagen, die sie in Gemeinschaft zu halten Pflegen,ehe sie in den dunkeln Schacht hinunter steigen, und manches guteGebet habe ich mitgebetct. Ein alter Steiger meinte sogar, ich solltebei ihnen bleiben und Bergmann werden; und als ich dennoch Ab-schied nahm, gab er mir einen Auftrag an seinen Bruder, der in derNähe von Goslar wohnt, und viele Küsse für seine liebe Nichte.

So stillstehend ruhig auch das Leben dieser Leute erscheint, soist es dennoch ein wahrhaftes, lebendiges Leben. Die steinalte,zitternde Frau, die, dem großen Schranke gegenüber, hinterm Ofensaß, mag dort schon ein Vierteljahrhundert lang gesessen haben, undihr Denken und Fühlen ist gewiß innig verwachsen mit allen Eckendes Ofens und allen Schnitzelesen des Schränket?. Und Schrank