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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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Die Harzreise. i7

heraufgeht, und wo vor vierzehn Tagen ein unvorsichtiger Menschhinuntergestürzt und leider den Hals gebrochen. Da unten ist einverworrenes Rauschen und Summen, man stößt beständig an Balkenund Seile, die in Bewegung sind, um die Tonnen mit geklopftenErzen oder das hervorgesinterte Wasser heranfzuwindcn. Zuweilengelangt man auch in durchgehauene Gänge, Stollen genannt, wo mandas Erz wachsen sieht, und wo der einsame Bergmann den ganzenTag sitzt und mühsam mit dem Hammer die Erzstücke aus der Wandherausklopft. Bis in die unterste Tiefe, wo man, wie einige be-haupten, schon hören kann, wie die Leute in Amerika ,,Hurra, Im-vnz'stts!" schreien, bin ich nicht gekommen; unter uns gesagt, dort,bis wohin ich kam, schien es mir bereits tief genug: — immer-währendes Brausen und Sausen, unheimliche Maschinenbewcgnug,unterirdisches Quellengeriesel, von allen Seiten herabtriefcndes Wasser,qualmig aufsteigende "Erddünste, und das Grubcnlicht immer bleicherhineinflimmernd in die einsame Nacht. Wirklich, es war betäubend,das Atmen wurde mir schwer, und mit Mühe hielt ich micst an denglitscherigen Leitersprossen. Ich habe keinen Anflug von sogenannterAngst empfunden, aber, seltsam genug, dort nuten erinnerte ich mich,daß ich im vorigen Jahre ungefähr um dieselbe Zeit einen Sturmans der Nordsee erlebte, und ich meinte jetzt, es sei doch eigentlichrecht traulich angenehm, wenn das Schiff hin und her schaukelt, dieWinde ihr Trompeterstückchcu loSblascn, zwischcndrcin der lustigeMntrosenlärm erschallt, und alles frisch überschnucrt wird von Gotteslieber, freier Luft. Ja, Luft! — Nach Luft schnappend stieg icheinige Dutzend Leitern wieder in die Höhe und mein Steiger führtemich durch einen schmalen, sehr langen, in den Berg gehauenen Gangnach der Grube Dorothea. Hier ist eS lustiger und frischer, und dieLeitern sind reiner, aber auch länger und steiler als in der Knrolina.Hier wurde mir auch besser zu Mute, besonders da ich wieder Spurenlebendiger Menschen gewahrte. In der Tiefe zeigten sich nämlichwandelnde Schimmer; Bergleute mit ihren Grnbcnlichtern kamen all-mählich in die Höhe mit dem Gruße „Glückauf!" und mit demselbenWiedcrgrnße Vvn unserer Seite stiegen sie an uns vorüber; und wieeine befreundet ruhige, und doch zugleich quälend rätselhafte Er-innerung trafen mich mit ihren tiefsinnig klaren Blicken die ernst-frommen, etwas blassen, und vom Grubcnlicht geheimnisvoll beleuch-teten Gesichter dieser jungen und alten Männer, die in ihren dunkeln,einsamen Bergschachten den ganzen Tag gearbeitet hatten und sichjetzt hinanfsehnten nach-dem lieben Tageslicht, und nach den Augenvon Weib und Kind.

Mein Cicerone selbst war eine krenzehrliche, pudcldeutsche Natur.Mit innerer Freudigkeit zeigte er mir jene Stelle, wo der Herzogvon Cambridge, als er die Grube befahren, mit seinem ganzen GefolgeHeiners Werte. V. Bd. 2