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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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16 Die Harzreise.

Thaler, nahm einen, der eben vom Prägstocke kam, in die Hand nndsprach zu ihm: Junger Thaler! welche Schicksale erwarten dich! wie-viel Gutes und wieviel Böses wirst du stiften! wie wirst du dasLaster beschützen und die Tugend flicken! wie wirst du geliebt unddann wieder verwünscht werden! wie wirst du schwelgen, kuppeln,lügen und morden helfen! wie wirst du rastlos umherirren, durchreine und schmutzige Hände, jahrhundertelang, bis du endlich schuld-beladen und sündeumüd versammelt wirst zu den Deinigen im SchößeAbrahams, der dich einschmelzt und läutert und umbildet zu einemneuen besseren Sein, vielleicht gar zu einem unschuldigen Thcelöffelchen,womit einst mein eigenes Ur-Urenkelchen sein liebes Vreisüppchenzurechtmatscht.

Das Befahren der zwei vorzüglichsten Klausthaler Gruben, derDorothea" undKarolina", fand ich sehr interessant, und ich mußausführlich davon erzählen.

Eine halbe Stande vor der Stadt gelangt man zu zwei großenschwärzlichen Gebäuden. Dort wird man gleich von den Bergleutenin Empfang genommen. Diese tragen dunkle, gewöhnlich stahlblaue,weite, bis über den Bauch herabhängende Jacken, Hosen von ähn-licher Farbe, ein hinten aufgebundenes Schurzfell und kleine grüneFilzhüte, ganz randlos wie ein abgekappter Kegel. In eine solcheTracht, bloß ohne Hinterlcder, wird der Besuchende ebenfalls ein-gekleidet, und ein Bergmann, ein Steiger, nachdem er sein Gruben-licht angezündet, führt ihn nach einer dunkeln Öffnung, die wie einKaminfegeloch aussieht, steigt bis an die Brust hinab, gicbt Regeln,wie man sich an den Leitern festzuhalten habe, und bittet, angstloszu folgen. Die Sache selbst ist nichts weniger als gefährlich; aberman glaubt es nicht im Anfang, wenn man gar nichts vom Berg-werkswesen versteht. Es giebt schon eine eigene Empfindung, daßmalt sich ausziehen nnd die dunkle Delinquententracht anziehen muß.Nnd nun soll man auf allen Vieren hinab klettern, und das dunkleLoch ist so dunkel, und Gott weiß, wie lang die Leiter sein mag.Aber bald merkt man doch, daß es nicht eine einzige, in die schwarzeElvigkeit hillablaufende Leiter ist, sondern daß es mehrere von fünf-zehn bis zwanzig Sprossen sind, deren jede auf ein kleines Brettführt, worauf man stehen kann, und worin wieder ein neues Lochnach einer neuen Leiter hinableitet. Ich war zuerst in die Karolinagestiegen. Das ist die schmutzigste lind unerfreulichste Karolina, dieich je kennen gelernt habe. Die Leitersprossen sind kotig naß. Undvon einer Leiter zur andern geht's hinab, und der Steiger voran,nnd dieser beteuert immer, es sei gar nicht gefährlich, nur müsseman sich mit den Händen fest an den Sprossen halten, und nicht nachden Füßen sehen, und nicht schwindlig werden, und nur beileibenicht auf das Seitenbrett treten, Ivo jetzt das schnurrende Tonnenseil