12 Die Harzrcise.
kann man sich doch nicht aller elegischen Gefühle erwehren beim An-blick der Felsennester jener privilegierten Raubvögel, die ans ihreschwächliche Nachbrut bloß den starken Appetit vererbtein Und soging es auch mir diesen Morgen. Mein Gemüt war, je mehr ichmich von Göttingen entfernte, allmählich aufgetaut, wieder wie sonstwurde mir romantisch zu Sinn, und wandernd dichtete ich folgendes Lied:
Steiget auf, ihr alten Träume!
Öffne dich, du Herzensthor!
Liederwvnne, WehmutsthränenStrömen wunderbar hervor.
Durch die Tannen will ich schweifen,
Wo die muntre Quelle springt,
Wo die stolzen Hirsche wandeln,
Wo die liebe Drossel singt.
Auf die Berge will ich steigen,
Auf die schroffen Felsenhöhn,
Wo die grauen SchloßruinenIn dem Morgenlichte stchu.
Dvrten setz' ich still mich niederUnd gedenke alter Zeit,
Alter blühender GeschlechterUnd versunkner Herrlichkeit.
Gras bedeckt jetzt den Turnierplatz,
Wo gekämpft der stolze Mann,
Der die Besten überwunden,
Und des Kampfes Preis gewann.
Ephcu rankt an dem Ballone,
Wo die schöne Dame stand,
Die den stolzen ÜberwinderMit den Augen überwand.
Ach! den Sieger und die SiegrinHat besiegt des Todes Hand —
Jener dürre SensenrittcrStreckt uns alle in den Sand.
Nachdem ich eine Strecke gewandert, traf ich zusammen mit einemreisenden Handwerksburschen, der von Braunschweig kam und mirals ein dortiges Gerücht erzählte, der junge Herzog sei auf dem Wegenach dem gelobten Lande von den Türken gefangen worden undkönne nur gegen ein großes Lösegeld freikommen. Die große Reisedes Herzogs mag diese Sage veranlaßt haben. Das Volk hat noch