54
bensbekeuntniß und aus feinen» ganzen Lebenswandel her-vor, der allen seinen Unterthanen zu einem nachahmungs-werthcn Muster diente, so wie aus seinen mündlichenAcußerungcn über Religion und Ethik.
Ais ich eines Tages, auf Veranlassung des demPrinzen Karl Königliche Hoheit Religionsunterricht er-theilendcn Hofpredigers, Seine Majestät den König bat,dem Prinzen eine erweiterte Unterrichtsfrist Behufs derVorbereitung zu seiner herannahenden Confirmation ein-zuräumen, crwiederte derselbe: „Ich habe nichts da-„gegen, wiewohl der Religionsunterricht nicht bloß Sache„des Verstandes, sondern meist Sache des Herzens sein„sollte
Wie sehr aber der Monarch ans wahren Glaubenund Dogmatismus einzugchen pflegte und brauchbareSeelsorger von minder brauchbaren zu unterscheiden ver-stand, mag unter andern folgendes Beispiel lehren, wel-ches dafür bürgt, daß derselbe, selbst im Drange der wich-tigsten Weltbegcbenheitcn, auch diesen Zweig der mensch-lichen Bildung und dessen Seelenheils nicht unberücksich-tigt ließ. Als nämlich im Verlaufe des verhängnißvollenJahres von 1L13 die Königlichen Kinder, das heißt dieKöniglichen Prinzessinnen, der Prinz Alb recht und diebeiden meiner Obhut anvertrauten Prinzen, nämlich diePrinzen Wilhelm (gegenwärtig Prinz von Preußen)und Karl von Preußen, Breslau verlassen, zuvör-derst nach der Grafschaft Glatz und späterhin nach Neißegehen mußten und hierdurch jeder Unterricht bis aufeinige Sclbstbeschäftlgung unterbrochen ward, dieser Still-stand aber peinlich war, so entschloß ich mich, nach eini-gem Aufenthalte in jener Festung, auf eigene Verantwort-