Druckschrift 
Heinrich Heine und Der Rabbi von Bacharach
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

dem religiösen jüdischen Leben und dessen Gebräuchen hatte. Esist geradezu unmöglich, daß er sich diese Kenntnisse erst in Berlin,innerhalb zweier Jahre, angeeignet hätte. Eine solche intime Be-kanntschaft mit Allem, was Sitte und Brauch war im Leben deralten Juden, kann nur aus tiefen und unvergeßlichen Jugend-eindrücken stammen. Und was das Merkwürdigste ist: Fast Alles,was Heine vorbringt, ist richtig, während wir bei sehrvielen späteren Erzählern aus der Judengasse den gröbstenSchnitzern begegnen. Ja, es scheint, als hätte Heine in seinemRoman das ganze religiöse Leben der Juden umspannen wollen.Die jüdische TrnuuugSformel, das Fasten am Montag undDonnerstag, die intime und genaue Schilderung des Passahfestesmit allen Einzelheiten, der Inhalt der Hagada und ihrer Legendenbis auf denherkömmlich" singenden Ton, womit dieselbe vor-gelesen wird, das Interieur des Nabbincrhauses, die Trachtender Bewohner desselben und der Gäste, die Begrüßung derFremden, die Scene mit der Darstellung der ägyptischen Plagen,welche übrigens in denBädern von Lucca" gleichfalls in sehrergötzlicher Weise verwcrthet werden,") das Waschen vor dem Essen,der Sabbathuachmittag mit dem Examen und dem Snbbathobst,das Myrrhen-Suchen vor dem Laubhütteufeste, das Nachtgebet,die Vorschriften für die achtzehn Beuedictiouen, das Volkslied derHagada, die talmudischcn Vorschriften für Gefahr am Sabbath,das Interieur der Synagoge, die Schilderung des Gottesdienstes,insbesondere der Thora-Vorlesuug, das Daukgebet für die Rettungaus der Gefahr, die Melodien des Passahfestes, endlich die Vor-gänge beim Backen der ungesäuerten Brote und last not loast") III. 363.