Flörsheim und Frau Fläsch, die sich so freundlich die Hand drückenund sich doch hassen, wie „Midian und Monb".^) Die Kronealler Frauen in der Weibcrschul ist aber unstreitig die Schnapper-Elle. Die Schilderung dieser Frau reiht sich den besten Charaktcr-zeichuuugen von Fritz Renler an. Wir hören schon von ihr, bevorsie auftritt, und unsere Neugier wird rege gemacht ans „die breite,putzbcladcnc Frau von mittlerem Alter und gar gespreizt wohl-wollendem Wesen", die wohl keine große Schriftgelehrte war, dasie viele Worte allzu sehr nach Gutdünken aussprach und manchegute Zeile ganz „übcrschlupperte". Nun wird uns die Frau selbstvorgeführt. Schon ihr Anzug ist überaus charakteristisch: „Ein weitaufgebauschter Nock von weißem Atlas, worin alle Thierarten derArche Noah, grellfarbig geflickt, ein Wams von Wollstoff wieKüraß, die Acrmel von rothem Sammt, gelb geschlitzt, auf deinHaupte eine unmenschlich hohe Mütze, um den Hals eine allmächtigeKrause von weißem Steiflinncn sowie auch eine silberne Kette,woran allerlei Schaupfennige, Cameen und Raritäten, unterAnderem ein Bild der großen Stadt Amsterdam, bis über denBusen herabhängend".
Nun erzählt sie ihre Lebensgeschichle. Sie ist in Holland wegenihrer Schönheit gar vielen Nachstellungen ausgesetzt gewesen, jetztist sie Witwe und Vorsteherin einer Garküche. Gleichwohl hältsie noch immer ans eine schöne Hand, und Hündchen Reiß copirtzum Ergötzen der ganzen Weiberschul ihre „erzwungen vornehmenGeberden und den schmachtenden Anstand, mit dem sie die schalk-
2") Em altjndisches Sprichwort, das Midian und Moab, zwei arabisch^Völkerstämme, die, obgleich Nachbarn, sich doch stets feindlich gegenüberstandenzum Symbol des Hasses unter Bekannten macht.