- 36 —
hervortrete, wenn der Spaß ihn vorher angekündigt habe, unddieser humoristischen Ironie, die in den „Reisebildern" ihren Höhe-Punkt erreicht hat, begegnen wir auch schon im „Rabbi" aufSchritt und Tritt. Schon auf dem ersten Blatte seinesRomancs^) erzählt er uns aus dem alteu Bacharach: „Die Geist-lichkeit herrschte im Dunkeln durch die Verdunkelung des Geistes.„Die Juden (waren) hinlänglich verhaßt wegen ihres Glaubens,ihres Rcichthnms und ihrer Schnldbücher." Mit prächtigem Humorerzählt er von den Fuchsbärten, die nicht so recht an die Frömmig-keit des Rabbi Abraham glauben wollten, der tagsüber das gött-liche Gesetz im Kreise der Schüler erklärte und des Nachts dieSterne des Himmels oder die Augen der schönen Sara be-trachtete.^) Reizend ist auch das humoristische Intermezzo zwischendem Rabbi und seiner Gattin während der Vorlesung derHagada. 45) Zu weltgeschichtlicher Höhe erhebt sich Heine's Hnmorin den Träumen der schönen Sara, in jener Frühlingsnachtauf dem Rhein, in der der „stumme Wilhelm" mit seinenschönen, tiefblauen Augen die Staffage in sehr wirksamer Weisebelebt und wo sich die Bilder gar wunderlich vermischen undzwischen durch halb bekannte, halb fremde bärtige Gesichter undgroße Blumen mit fabelhaft breitem Blattwerk hervorschauen,wo der Vater Rhein die Melodien der Hagada zu murmeln an-fängt und die Bilder derselben lebensgroß und verzerrt aus dem-selben hervorstechen, bis die schöne Sara am Binger Strudel
") iv. 224.") ib. 226.") ib. 229 ff.