Anstatt nun aber die Details einer Judenverfolgung genau zu schildern,führt uns der Dichter in einem entzückenden Bilde, das mit der Schön-heit der Landschaft wetteifert, in einer lauwarmen Frühlingsnnchtüber den Rheinstrom und läßt uns den Duft jener Bcrgesnfer,worauf die Freude wächst, förmlich einathmen. Dem beängstigendenTreiben der Frankfurter Messe steht der Auftritt am Judenthorgegenüber, der von großer humoristischer Wirkung ist. Auf die tragischabschließende Scene in der Synagoge, welche zu den treuestenSchilderungen gehört, die wir auf diesem Gebiete besitzen, zugleichaber auch die erste Schilderung aus dem Ghetto und der „Gasse"ist/") folgt das heitere Rencvntre zwischen dem Rabbi und demRitter, das uns in die Peripherie der Erzählung geleitet und derPhantasie einen weiten Ausblick in die fernere Entwicklung und denAbschluß derselben gestattet. In diesen Contrasten liegt vor Allem dasGcheimniß der Wirkung, welche das Roman-Fragment ans uns ausübt.
Bis in die Schilderung der Charaktere hinein läßt sich dasGesetz dieser künstlerisch wirksamen Gegensätze verfolgen. Demfrommen Rabbi steht der srivvle Ritter, der anmuthig-schönenSara steht die dicke Schnapper-Elle, dem Nasenstern der Trvmmel-haus gegenüber. Selbst Jäckel, der Narr, und Beitel Nindskopfstellen Gegensätze dar, welche damals die Frankfurter Judeugassein verschiedene Lager getheilt haben mögen.
Nichts ist irriger als die Behauptung, Heine habe seine dichte-rische Eigenart in diesem Werke zu verleugnen gesucht. Diese tritt
'"y Erst 1337 folgte ihm Berthold Auerbach mit den beiden Romanen ansder Geschichte des Judenthums unter dem Gesammttitel „DaS Ghetto", undLeopold Kompert's erste Geschichten ans der Gasse, wie A. Bernsteins Novellenerschienen erst 1343.