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Heinrich Heine und Der Rabbi von Bacharach
Entstehung
Seite
32
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Das Thema des Romans war also hauptsächlich die Glaubens-treue und der Glaubeuswechsel. Dieser wie jene hatten in derspanischen Periode des XIV. wie in der deutschen des XIX. Jahr-hunderts ihre charakteristischen Vertreter. Und schon ans obigerAndeutung geht hervor, wie viel Heine von seinen eigenen Bekennt-nissen und Anschauungen in den Roman hineingelegt haben mochte.Darüber hinaus sollte aber auch nach einer weiteren Andeu-tung Heine 's^) der Gegensatz zwischen dem Schwärmer,der sein Leben für eine schöne Idee hinopfert, und dem Menschen,der behaglich egoistisch seine Tage verbringt, zum Ausdruck kommen.Das war die Tendenz des Werkes.

Treten wir jetzt in die weit geöffneten Hallen der Dich-tung selbst ein. Schon die Einleitung, welche breit, aber nichtganz sicher, ja hie und da etwas stockend vorgetragen ist, versetztuns in die geeignete Stimmung, um alles Folgende zu verstehen.Es ist wahr, diese Einleitung ist lang und etwas schwerfällig, aberman muß nur an die ausgedehnten Expositionen Walter Scott'sdenken, um dies zu entschuldigen, und ferner an die Sprödigkeitdes Stoffes, die Heine selbst daran zweifeln läßt, ob ihm etwadas Talent des Erzählens" fehle. In geschickter Weise leitet derDichter aber von dem historischen Prolog zu den thatsächlichenEreignissen über. Es ist noch nicht beachtet worden, daß alleSchilderungen des Roman-FragmentS sich in künstlerisch ab-getönten Cont rasten bewegen und so eine interessanteParallele bilden zu seinen lyrischen Stimmungsbildern aus jenerZeit. Auf die idyllische Scene des Passahfcstes folgt der grauen-hafte, durch die aufgefundene Kindesleiche herbeigeführte Abschluß.

VIII. 457.