dazu bemerkt: „Wäre auch ein solcher Fall ausnahmsweiseeinmal möglich, so bewiese er doch nichts gegen die sonstigeThatsächlichkeit des hebräischen Blutaberglanbens und derzugehörigen rituellen oder nichtrituelleu Verbrechen."
Wenden wir uns nun von diesen Verirrungen der Zeit dem Werkedes Dichters wieder zu, so treten uns hier vor Allem die gegen-ständlichen Schilderungen und die lebenathmenden Charaktereentgegen, die er nns in diesem Jugcndwerk seiner Liebe der Reihenach vorführt.
Und wie gern übersieht man alle anderen Mängel, wenn manimmer und immer wieder von Neuem sich an jenen plastischenSchilderungen erfreut, wenn man mit Rabbi Abraham und derschönen Sara die weltberühmte freie Reichs- und HandelsstadtFrankfurt a. M. mit ihren lachenden Häusern, umgeben vongrünen Hügeln, zum erstenmale erblickt. Nicht allzu oft ist Frank-furt a. M. früher trotz seiner hohen Bedeutung Gegenstand poeti-scher Darstellung gewesen. Die poetischen Schilderungen vonStephnnus, Julius Scaliger, Micyllus und selbst von HansSachs haben kaum historischen, geschweige denn poetischen Voll-werth. Höchstens könnte man das von jenen Versen des Mi-cyllus sagen, in welchen er ausspricht, Frankfurt sei jährlichzweimal, wenn die Gärten mit jungem Grün sich schmücken undwenn die Blätter zu fallen beginnen, eine mit Waaren undMenschen aus aller Welt angefüllte Stadt. Es ist natürlich, daß
2Y Willibald Alexis, „Walladmor" ist erst 1325, Carl Spindler's Roman„Der Jude" erst 1827 erschienen. Im letzten Roman wird gleichfalls die Frank-furter Judengasse vorgeführt.