Rabbi Davids Tochter Lea ist aus einer heimlichen Verbindungmit einem christlichen Arzt Mutter eines todtgeborenen Kindes ge-worden, an welchem der verworfene Diener Joel den Schächtschnittausführte, um den Kindesmord seiner Geliebten, deren „Madonnen-gesicht" so etwas nicht zuzutrauen ist, zu verheimlichen. Der Rabbiflüchtet mit seiner Tochter nach Frankfurt, wo er durch einen ge-tauften Inden vor Gericht angeklagt wird. Es erfolgt nach derVerhandlung Freisprechung, aber in der folgenden Nacht dringtder aufgeregte Pöbel mit Flagellanten, Raubgesindel und Land-streichern ins Jndenviertel und inscenirt eine Judenschlacht. Erstdurch Aufgebot kaiserlicher Macht kann der Aufstand gedämpftwerden. Im Angesicht der brennenden Synagoge reichen sich derRabbi, der Erzbischof und der Stnhlherr des Reichsgerichtes dieHände zum Bunde — es tagt ein neuer Morgen, aus Blut undSchutt steigt sieghaft das Dreigestirn „Wahrheit! Liebe! Mensch-lichkeit!" und versöhnend klingt der Schlnßaccord ans, bei deindie weltbeglückende Botschaft der Liebe das Bcthlehemglöcklein mitden Worten des Talmud harmonisch verbindet.
Wie wenig auch dieser dramatische Versuch ans dem Geisteund dem Verständnis' der Weltanschauung Hcine's hervorgegangen,so ist er doch durch die humane Gesinnung, die ihn erfüllt,immerhin der Achtung würdig. Zumal in einer Zeit, in der auchin den stillen Lorbeerhain der Dichtung der Haß und die Vcr-nichtnngswuth eingezogen sind. Ist doch selbst ein Mann wieEugen Dllhring bei der Besprechung unseres Dichterwerkes soverblendet, daß er die Grundidee Heine's (Christen, die eineKindesleiche im Hanse eines Juden niederlegen) für eine „Um-kehrung der Wahrheit" ansieht und in seiner liebreichen Weise