die Satyre auf das Treiben in der Frankfurter Jndengasse einenzu breiten Raum einnehme, ist unbegründet, da hierbei nurdas kurze Fragment, nicht aber die breite, epische Anlage einesRomans berücksichtigt wurde. Der „Rabbi von Bacharach" sollteaber ein großer Roman werden, zu dem die vorhandenen dreiCapitel wohl wenig mehr als die Exposition bildeten.
Aber welche starke dramatische Kraft liegt nicht schon in diesenwenigen Capiteln, die allein schon eine Tragödie für sich bildenund den Versuch geradezu herausfordern, dieses dichterische Werkin dramatische Formen zu pressen! Allerdings ist dieser Versuchbis jetzt nicht geglückt. Ein Drama, „Rabbi David",welches in jüngster Zeit viel besprochen wurde, ist im Wesentlichen aller-dings auf der Fabel des „Rabbi von Bacharach" aufgebaut, wennes auch in der Ankündigung dieses Dramas heißt: „Wer Heine'sNovellenfragmcnt wirklich je gelesen hat, der weiß, daß man das-selbe höchstens als Exposition eines Dramas verwerlhen kann.Der Dichter des ,Rabbi David' hat auch nur wenig aus demHeinc'schen Torso benutzt und Manches sogar geändert, und zwarzur Verschärfung des dramatischen Conflicts, den er allein er-sonnen und von dem sich bei Heine keine Spur vorfindet."
Das klingt ja recht hübsch, und man könnte dem anonymenDichter für diese Ehrenrettung Heine's eigentlich dankbar sein,aber die Sache verhält sich in Wirklichkeit doch etwas anders, alses in dieser Ankündigung heißt, und man braucht nur eineu Blickin das Drama zu werfen, um sich davon des Weiteren zu überzeugen.
Der Vollständigkeit wegen möge hier in Kurzem der Inhaltdes Dramas „Rabbi David" folgen, dessen Stoff natürlich eben-falls der „Nitualmord" bildet.