Von den Vorwürfen, die man gegen dieselbe erhoben hat,dürfte der, den Heine's Vetter, Hermann Schiff, zuerst aus-gesprochen, daß die Vorgeschichte am wenigsten fehlen dürfte,wenn das Ganze Wahrscheinlichkeit haben sollte, vielleicht amehesten begründet sei». „Wer waren die lieben Gäste, welche aufeinen so empörenden Berrath ausgingen? Waren es Christen, sodurfte sie der Rabbi nicht in seinem Hause aufnehmen. Waren esJuden, was konnte sie bewegen, eine Bartholomäusnacht über sichund ihre Glaubensgenossen heraufzubeschwören?" Auf diese theilweiseberechtigten Fragen gibt Schiff freilich selbst die triftige Antwort:„Es konnten also nur getaufte Juden sein!", eine Antwort,welche der Verlauf der jüdischen Geschichte im Mittelalter uu-zähligemale bestätigt hat. Schiff hat deshalb kein Recht, weiterzu sagen: „Heine konnte nicht gut ohne Erbitterung an eineJudenverfolgung denken, und hier überließ er sich rücksichtslosseinem lyrischen Zorn, was einer Novelle nicht ersprießlich ist."Das ist kein lyrischer Zorn, der sich in diesem Werke ausspricht,sondern die blutige Tragik der Weltgeschichte.
Ein anderer Vorwurf, daß die einzelnen Züge in dem Fragment ausder Gegenwart herübergenommen seien, dürfte eher als ein Verdienstdes Dichters anzuerkennen sein, wenn es ihm gelungen ist, diese Zügeglaubhaft in die Vergangenheit zurückzuvcrlegen. Strenge Beurtheilerwollen ja dem historischen Roman nur dann eine künstlerischeBerechtigung zugestehen, wenn er in seiner geistigen Sphäre einSpiegelbild der Gegenwart bildet. Auch ein dritter Vorwurf, daß
Heinrich Heine und der Neuisraclitismus, S. 16. In demselben Buche,S. 23 ff., erzählt Schiff von einer Judenverfolgung, die der zu Bacharach sehrähnlich ist. Seine sonstigen Mittheilungeu sind wenig zuverlässig.