Göttinge» ;ch sie ist von besonderem Interesse, Weil sie uns in dieArbeitsweise des Dichtcrö und in seine Quellenstudien unniittelbnreinführt: „Außerdem treibe ich viel Chronikenstudium und ganzbesonders viel llistoria sullaicn. Letztere wegen Berührung mitdem Rabbi und vielleicht auch wegen inneren Bedürfnisses. Ganzeigene Gefühle bewegen mich, wenn ich jene traurigen Annalendurchblättere; eine Fülle der Belehrung und des Schmerzes. DerGeist der jüdischen Geschichte offenbart sich mir immer mehr undmehr, und diese geistige Rüstung wird nur gewiß in der Folgesehr zu statten kommen. An meinem Rabbi habe ich erst Vz ge-schrieben, meine Schmerzen haben mich auf schlimme Weise darinunterbrochen, und Gott weiß, ob ich ihn bald und gut vollende.Bei dieser Gelegenheit merkte ich auch, daß mir das Talent desErzählens ganz fehlt; vielleicht thue ich mir auch unrecht und esist bloß die Sprödigkeit des Stoffes. Die Paschafeier ist mir ge-lungen, ich bin Dir für die Mittheilung der Agode Dank schuldigund bitte Dich noch außerdem, mir das Keho Lachma Anja unddie kleine Legende Maasse be Rabbi Leser — wörtlich übersetztzukommen zu lassen. Auch die Psalmstelle im Nachtgebete: ,Zehn-tausend Gewaffnete steh'n vor Solomons Bette' mir wörtlichübersetzt zu schicken. Vielleicht gebe ich dem Rabbi einige Druck-bogen Jllustrations auf englische Weise als Zugabe, und zwaroriginaler Jdeenextract über Juden und ihre Geschichte. — Ben-
6) I. o. Auch iu dem Tagebnchc seines Connnilitone» Eduard Wedekindfindet sich in der Zeit »ach Ostern 1824 die Mittheiluug Heine's, „daß er jetztalte Chroniken ans der Bibliothek cxcerpire und an einer Novelle arbeite, dieein historisches Gemälde ans den Zeiten des Mittelalters sein solle". Vgl. Strodt-mann, Dichterprofile, I. 252 ff.