Freunde uns jener Zeit berichtet/) daß er damals sehr oft anschönen Sommernachmittagen in einem Kahn rheinaufwärtsgefahren sei und mit besonderer Vorliebe in Bacharach verweilthabe. Dort weilte ja die Lorelei, und nnch die besten Weine zogman in Bacharach am Rheine auf. Ohne Zweifel ist in solchenStunden der Plan zum „Rabbi von Bacharach" entstanden.
Man kann wohl behaupten, daß der „Rabbi" He ine'sprosaisches Erstlingswerk gewesen ist, und ich lege ansverschiedenen noch zu erörternden Gründen Werth auf diese Be-hauptung. Denn „Die Harzreise" wurde erst im October uudNovember 1824 geschrieben; vom Roman schreibt er aber schonEnde Juni desselben Jahres °) wie von einer Arbeit, mit der erschon lange beschäftigt sei. Es ist keine Frage, daß der Aufenthaltin Berlin und der Verkehr mit dem „jungen Palästina", vorAllem mit Leopold Zunz, Moses Moser, Josef Lehmann undImmanuel Wohlwill wesentlich die Stimmung beeinflußt hat, aus
5) Friedrich Steinmcmn in seinem Taschenbuch für deutsche Literaturgeschichte,(Münster 1834), S. 60 ff. Die Lorelei-Sage nach Brentano: Zu Bacharach amRheine — Wohnt' eine Zauberin u. s. w. Godwi, II. 392. Das alte Lied überdie drei Städte mit dem besten Weine ist bekannt. Zu Hochheim an dem Maine— Zu Würzburg ans dem Steine — Zn Bacharach am Rheine — Da sinddie besten Weine.
°) VIII. 431. Unzuverlässig ist wohl die Mitthcilnng Fr. Steinmann's in seinemBuche über Heine (Prag 1857), S. Uli, daß Heine schon im Jahre 1821 inBerlin an dem Werke gearbeitet habe. Die ganze Fassung der Notiz ist sokomisch, daß sie keinen Glauben verdient. Im Jahre 1857 kennt er von derSchrift nur den Titel „Der Rabbi" und möchte sich vergewissern, ob sie etwanoch „handschriftsweise" irgendwo in Berlin „beruhe", während das Werk schonseit 17 Jahren im „Salon" abgedruckt war.