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Heinrich Heine und Der Rabbi von Bacharach
Entstehung
Seite
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Es ist nur wenig bekannt, daß das erste Gedicht Heine's ansden religiösen Erinnerungen seiner Jugend hervorgegangen ist. Esist das GedichtBelsazer". Noch in seinen letzten Lebensjahrenerinnerte er sich desselben in einem Gespräch mit Ludwig Kalisch:Und wissen Sie, was mich dazu inspirirt hat? Ein paar Wortein der hebräischen Hymne ,UaeIia,?02 Imlajla/ (Um Mitternacht),die man, wie Sie wissen, an beiden Osterabenden singt."'J

Diese Hymne gedenkt nämlich der auf die Geschicke der Indensich beziehenden Ereignisse, die um Mitternacht vorgefallen, und infünf Worten spricht sie von dem Tode des babylonischen Tyrannen,der in Folge der Entweihung der Tempelgefäße in der Nachthinweggerafft wurde.

Der Widerstreit zwischen den altjndischen und den Eindrückendes modernen Lebens, zwischen Tradition und Philosophie übteauf die Charakterbildung Heines unzweifelhaft einen nachtheiligenEinfluß aus. Es ging ihm, wie so vielen Männern, die zuAnfang des Jahrhunderts geboren wurden: der Kinderglaube desHauses blieb ihnen eine schmerzlich-süße Erinnerung, ein unver-äußerliches Erbe, von dem sie sich ihr ganzes Leben lang nichtganz freimachen konnten. Nur von diesem Standpunkt ausmuß man das Leben und Schassen Heine's benrtheilen.

In Frankfurt a. M. und in Hamburg lebte Heine fast aus-schließlich in jüdischen Kreisen; selbst bis auf die Universität nachBonn begleiteten ihn die heimatlichen Erinnerungen. Einer seiner

si I. 65. Der Refrain lautet wörtlich:Vajlii dsslr»?,! Ii»-Iasla!" (Undes war um Mitternacht.) Der Vorgang selbst wird in der Bibel (Daniel V.1-2S) erzählt. Vergl. L. Kalisch: Pariser Skizzen, Mainz 1881, S. 331.