Druckschrift 
Aus dem Leben Heinrich Heine's
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

^ZMMiWÄLLM

160

derbarsten Lieder. Den ganzen Romanccro hat ermir dictirt. Das Gedicht war jedesmal ganz fertigam Morgen. Dann aber gings an ein Feilen, dasStanden lang währte, und wobei ich ihm vice ootmdiente, oder vielmehr er meine Jugend wie Molicredie Unwissenheit Louisons benutzte, iudem er michüber Klang, Tonfall, Klarheit u. s. w. befragte.Dabei ward dann jedes Präsenz und Imperfecta»!genau erwogen, jedes veraltete und ungewöhnlicheWort erst nach seiner Berechtigung geprüft, jedeElision ausgemerzt, jedes unnütze Adjcctiv weg-geschnitten; hie und da auch wohl Nachlässigkeitenhineincorrigirt. Ich erinnere mich lebhaft jedeseinzelnen Gedichtes der Sammlung, ziemlich genauauch der Commentare vornehmlich über Personen,die er dazu machte.

Auch Privatbriefe dictirte er mir öfters, meistauf Geldverhältnisse bezüglich. Der übrige Thcilmeines Besuches, der täglich drei bis vier Stundendauerte, ward dem Lesen gewidmet. Von denSchriftstellern, die ich ihm vorlas, entfallen mir diegelehrten beinahe sämmtlich, da ich gar kein Interessedaran nahm, und sie nur mechanisch hinlas: waren