— V
losen Bewunderung und wohl niemals einem soherben, verdammenden Tadel begegnet ist, als inder Heimath. Einigermaßen mag der Grund darinliegen, daß man im Auslande den Charakter desDichters weniger, und von seinen Werken nur diebesten kennt. Wer dürfte leugnen, daß man indem Gesammtbilde seines Wesens und Wirkensmanche Eigenheit lieber nicht sehen würde? Aberetwas anderes ist es, dies einräumen, und etwasanderes, einein Dichter jedes sittliche Gefühl, jedemännliche Würde, jedes ernste Streben absprechen,einem Dichter, dem man doch wieder, oft in dem-selben Satze zugesteht, daß einzelnes in seinen Wer-ken an Anmuth und Feinheit des Gefühls, anSchwung und vollendeter Schönheit des Ausdruckssich dem Höchsten gleichstellen könne. Ich null ge-wiß nicht Künstler und Dichter nach dem Maßstabeder Moral classifiziren, aber das kann man dochsagen, daß Kunst und Poesie zu enge mit demEdelsten in der menschlichen Natur verwachsen sind,als daß ein ganz nichtswürdiger Mensch ein voll-endetes Kunstwerk, eine dem Höchsten gleichzu-stellende Dichtung hervorbringen könnte.