Druckschrift 
Von deutscher Philosophie, Art und Kunst : ein Votum für Friedrich Heinrich Jacobi gegen F. H. Schelling
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

23

Diese Ueberwältigung aller Wissenschaft in der kla-ren Selbstkenntniß ihrer Fesseln / in der Durchschauungihres ganzen Wesens, welche uns lehrt, wie nichtsweiter dahinter sey und dahinter gefunden werden könne,verdanken wir nun dem Eigenthum Kantischer Lehre inden zwey Sätzen.

1) Die bekannten Formen des Urtheils lassen unsmit der Sicherheit des mathematischen CaleulS die Zahlder Regelbegriffe für die Naturerkenntniß vollständig auf-weisen, so daß wir nun hierin die ganze Macht deSineschlichen Geistes sicher zu überschlagen vermögen.

2) Nur so weit gibt es Wissenschaft als in unsererErkenntniß die mathematischen Wiederholungen desGleichartigen in Zusammensetzungen langen.

Ich habe gezeigt, wie diese zweyte Lehre unsrerwissenschaftlichen Erkenntniß jene vorhin genannte Klar-heit und Durchsichtigkeit gibt, indem wir ihren Anfangund alle Hülfsmittel ihrer Entwicklung genau kennen.Die erste Lehre aber zeigt uns weiter, welche Bedeutungnun diese durchaus klare und durchsichtige Wissenschaftunter den Ueberzeugungen des Menschen habe.

ES läßt sich nämlich mit gleicher Sicherheit nach-weisen , daß im menschlichen Geist einzig die Idee einervollstängigen Einheit im Wesen derDingejene Naturbegriffe übersteigt; daß wir aber diese Ideeder vollständigen Einheit nur durch die Unbeschränkt-heit der Naturbegriffe aus zu denken vermögen.