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Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
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sittlichen Unvermögen ein Wahn, so ist auch die Noth-wendigkeit einer solchen Heils anstatt, wie die Schriftsie uns enthüllt, durchaus nicht einzusehen. Ja dann er-scheint die ganze Ansicht der Schrift von dem, was zu unsrerRechtfertigung vor Gott absolut erforderlich sey, nurauf einer trüben, und unverantwortlichen Verkennungder wahren Beschaffenheit des menschlichen Geschlechtes be-ruhend; 'und freilich ist der vulgäre Rationalismus auchgeneigt, die Schrift solcher getrübten Anschauungsweiseanzuklagen. Unsere Pelagianer streichen die menschlicheNatur heraus. Sie rühmen deren sittliche Anlagen,moralische Tüchtigkeiten und Kräfte. Sie erheben dieMenschen zu ihren eigenen Heilanden, Mittlern und Er-lösern, die nichts, als nur zu wollen brauchten,um kraft der ihnen ancrschaffnen Freiheit ihre Fehltritteselbst wieder gut zu machen, und sich die Qualificationfür den Himmel in eigener Tugendübung zu erwerben.Natürlich, daß solche Darstellung der Sache der unerleuch-teten Menge wohl behagt; wer werden aber Diejenigenseyn, von deren Händen Gott »das Blut« jener armenIrregeleiteten, und immer tiefer nur in den Todcsschlafihrer Selbstgcrechtigkeit Eingewiegten fordern wird? Ihr»Miethlinge« werdet es seyn, die ihr die Verblendungjener Beklagenswcrthen methodisch befördertet, ihnen miteuern verlogenen Predigten den Weg zu jeder gründlichenSelbsterkenntniß verzäuntet, das Kreuz Christi in seinerwahren Bedeutung ihnen zu nichte machtet und, zu »aus-gehauencn Brunnen, die kein Wasser geben« sie verleitend,um den allein probehaltigen Trost im Leben und im Ster-ben sie frevelhaft betrogt, und den Urborn aller wahrenHeiligung und Tugend durch Anpreisung des elenden undnichtigen Scheins derselben ihrem Blicke entrücktet.Ihr Pelagianer seyd die Leute, die schon der Geistder Weissagung gezeichnet hat: »Sie verführen mein Volkund sagen: Friede, so doch kein Friede ist. Das Volk