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Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
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welche jene Grundgerechtigkeit ausmacht, von derLuther so treffend sagt: »Wir werden nicht gerecht, wennwir Gutes thun; sondern wenn wir gerecht sind, thun wirGutes.« >— Wenn es, bemerke ich zum Andern, wirklichsich so verhielte, daß wahrhaft Gutes nur als Productdes Kampfs mit einem widerstrebenden Elemente gedachtwerden könnte; so müßte ja folgen, daß Gott die wahreGüte abzusprechen sey, da ja, wer auch in Ihn einen sol-chen Antagonismus setzen wollte, auf nichts anderes aus wäre,als Ihn selber aufzuheben, und seine Gottheit zu vernichten.Den Satz endlich: »Könnte der Mensch nicht sün-digen, so vermöchte er auch nicht tugendhaft zuseyn,« in soweit zuzugeben, als allerdings der Begriff derTugend denjenigen der sittlichen Freiheit fordert,laßt sich doch auch ein ganz reiner und unschuldiger Anta-gonismus denken, der mit dem vom Rationalismus gedach-ten »Kampf gegen die bald und machtig erwachendeSinnlichkeit« mitnichten identisch ist, indem in jenem erste-ren dem Geiste keineswegcs eine ausgeartete, in Un-ordnung gerathene Sinnlichkeit voller Leidenschaftund selbstischen Begehrens entgegensteht. EineSinnlichkeit ist da, aber keine, die schon den Keim derSünde in sich trüge; eine Empfänglichkeit für Genuß, aberkeine ungeregelte, keine Neigung zum Bebotencn. — So-fern nun aber das göttliche Gebot dem an sich durch-aus unschuldigen und gottgefälligen Berg ehren doch wie-der, zur heilsamen Uebung und Prüfung des vernünftigenGeschöpfs, gewisse Schranken setzt, findet allerdings dieübersinnliche Natur an der sinnlichen Etwas zu bekäm-pfen, und ihren höheren Forderungen unterzuordnen,und in diesem ganz unverdächtigen Widerstreit ist dann derCreatur die Möglichkeit gegeben, vermittelst freier, liebe-thätiger Selbstbestimmungen für das, was Gott will, zueiner quantitativ stets vollendeteren sittlichen Vollkommen-heit vorzuschreitcn. Einen solchen ganz außer der Sünde