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Julius Müller in seiner trefflichen Schrift: »Die christ-liche Lehre von der Sünde« (Breslau 1839) beleuchtet,und als absolut unhaltbar refutirt und abgewiesen wor-den ist. — Nach dieser äußerst flachen Lehre kommt, wiewir eben hören, der Mensch in einem indifferenten Zu-stande, weder gut noch böse, auf die Welt. Er bringtzwar allerlei Fähigkeiten zum Guten, wie zum Bösenmit; aber nur erst als schlummernde, unentwickelte Keimetragt er sie in sich. So ist der Mensch im ersten Kindes-altcr nicht heilig, nicht Sünder. Spater jedoch, bei einge-tretener Entwickelung der Vernunft und erwachten: Rechts-bewußtsein kann er, je nachdem er die ihm anerschaffeneWillensfreiheit gebraucht, das Eine oder das Anderewerden. Was nun aber zuerst in ihm erwacht, ist dieSinnlichkeit, oder der Hang zum Genuß, auch zumverbotenen. Diese Sinnlichkeit ist an und für sich nichtSünde, aber sie verführt gar leicht zum Sündigen, undder Mensch wird von ihren Reizen viel eher geleitet', alser sich gewöhnt, der Herrschaft der langsam fortschreitendenVernunft zu gehorchen. Das voreilende Lebendigwer-den der zur Süude reizenden Begierden hat aber Gottselbst geordnet, damit der aus seinem Schlummer zu sichselbst kommende vernünftige Wille Gelegenheit finde,an ihnen seine Kraft und Freiheit zu bewahren, und insiegreichen Bekämpfungen ihrer Lockungen einen Kranzwahrhaft werth voller Tugenden sich zu winden. DerWille des Menschen ist übrigens immer gut und auf dasBeste gerichtet; und es stände Alles herrlich, wenn nurdie Sinnlichkeit nicht so stark und mächtig wäre. Dochkann der Wille sie besiegen. Ucberwältigt sie aber ihn,so nahm jener sich nicht gehörig zusammen; und daranthater übel. — Geräth er anhaltend und ganz unter die Bot-mäßigkeit der Sinnlichkeit, so ist das freilich schlimm; dochist der also unterlegene Mensch, dessen eigentliches Ichimmer nicht böse ist, noch seyn kann, mehr als ein Un-