ein seinerseits Unverdientes, murrend und verklagend derUnbilligkeit und Härte Gottes zu, und hat seinemWahne nach in seinen Ansprüchen immer Recht; dieGottheit aber nur so lange, als sie der Arroganz seinerWünsche nicht entgegenhandelt. So ist der Mensch in sei-nem angestammten, unwiedergebornen Zustande. Die Form,mit der dieses innere Verderben sich umkleidet, kann sehrverschieden seyn, und sogar in gleißenden Coloriten pran-gen. Die Gesinnung ist in Allen dieselbe, so lange derheilige Geist nicht seinen großen Erneuerungsprozeß begon-nen hat. Das Böse also, das sich den ursprünglichenBestandtheilen der menschlichen Natur angehängt, und die-selben verderbend und zerrüttend durchdrungen hat, dasist es, was den Menschen vor Gott zum Sünder und insich verwerflich macht. Diese Krankheit pflanzt sich nunaber, durch das Medium der Zeugung, mit den Bestand-theilen der Natur, an denen sie hastet, fort. Die Grund-vermögen der ursprünglichen Natur werden also wohl derSubstanz nach unverändert, nicht aber in ihrer ur-sprünglichen Beschaffenheit, sondern in ihrem Aus-artn ngszu stände auf die werdenden Generationen tra-ducirt. — Dies ist die Lehre der heiligen Schrift, und dieallgemeine Erfahrung drückt ihr das Siegel auf.
otes Argument: »Die Erfahrung sagt uns, daß derMensch weder gut noch böse geschaffen werde.Der sich entwickelnde Hang zur Sünde hatseinen Ursprung in der Sinnlichkeit, welchean und für sich keine Sünde ist; allein ehererwacht, als die Vernunft zur Ausbildunggelangt.«
Hier wagt sich denn einmal wieder die alte pelagia-nische Sinnlichkeitstheorie hervor, die speculativunter Andern schon von Schelling, philosophischu»d exegetisch in neuester Zeit am umfassendsten von