Druckschrift 
Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
Entstehung
Seite
196
Einzelbild herunterladen
 

196

greift nun, um anzudeuten, warum die wissenschaftlichbiblischen (!) Theologen mit ihm die Erbsündeleugnen, in seiner Verlassenheit von allen eigenen Ge-danken aus Kleins »Dogmatik« jenes alte, verwa-schene, und schon tausendmal siegreich widerlegte Raisonne-ment heraus, mit dessen Beleuchtung ich allerdings einigeAugenblicke mich »aufzuhalten« gedenke. —

lies Argument : »Gott sah denFall dererstenMen-schen und die Folgen derselben voraus; daer ihn aber dennoch geschehen ließ, so würdeer, wenn die Erbsünde ntheorie wahr wäre,bloß deßhalb so vollkommene Wesen geschaf-fen haben, damit sie bald darauf durch dieseSünde höchst verdorben und elend werdenkönnten.« —

Welch ein Schluß das: »blos deßhalb, — damitsie!« Gott hatte also, nach diesem Syllogismus, besserkeine Menschen geschaffen, als daß er sie frei schuf; —oder er hätte die ungeheure Aufgabe lösen müssen, in ih-nen die Freiheit mit deren absoluter Negation in Einszu verschmelzen: d. h. die Menschen zwar zu, freien Ge-schöpfen, jedoch auch wieder so zu organisiren, daß sieder Freiheit, das Geschenk der ihnen anerschaffenen Freiheitin frevelnder Selbstbestimmung zu ihrem Verderben miß-brauchen zu können, durchaus ermangelten. — Weil Gottnun aber bei der Alternative des S ey ns oder Nich tsey nsder Menschheit sich für das Seyn entschied, und aller-dings Freiheit und Unfreiheit in ein und demselbenGeschöpf nicht zu vereinigen wußte, so ist der Mißbrauch derhohen Gabe, dessen die Creatur sich schuldig machte, unddas Elend, das sie dadurch in freier Entscheidung an sichriß, Gott beizumessen, und Gottes Bestimmung und De-kret? — Welch eine Folgerung! — Was gehört dazu, ummit solcher logischen Fehlgeburt an's Tageslicht zu tre-