Vorschriften des alten Testaments« wirklich »abge-schafft«, wie könnten uns dann die Frommen des altenBundes als Vorbilder unsres sittlichen Wandelsangepriesen werden? Da aber solches seitens der Apostelan unzahligen Stellen geschieht, so müssen doch jene Heili-gen wohl nach derselben moralischen Richtschnur einhcrge-gangen seyn, welche, in vollständigerer Ausdeutung, Ent-wickelung und Vertiefung nur, im neuen Testamente unswieder begegnet. —
Könnte es nun aber einem Zweifler ex prolesso nochin Frage stehen, ob die Apostel in der That den alttesta-mentlichen Schriften in ihrer Gesammtheit das fort-dauernde Ansehen eines untrüglichen Gottesworteszuerkennen, und eine bleibende Geltung des historischen,religiösen und ethischen Wahrheitsgehalts derselben lehrten,so höre er zuerst den Apostel Paulus reden, Röm. 15, 4:»Denn was zuvor (im alten Testamente) geschriebenist, das ist uns zur Lehre (eis
geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trostder Schrift Hoffnung haben.« Und dann vernehme erdes Apostels Wort an seinen Timotheus (2 Tim. 3, 14—16.)»Du aber bleibe in dem, das du gelernt hast,und darin du bestärket bist: sintemal du weißt,von wem du gelernt hast; und weil du von Kindauf die heilige Schrift weißt, welche dich kann unter-weisen zur Seligkeit durch den Glauben an Chri-stum Jesum. Alle Schrift von Gott eingegebenu. s. w.« Also die Schrift, die heiligen Urkunden desalten Testamentes, (iep« /p««»«?«) in welchen Timotheusvon Kindheit auf unterrichtet war, konnten ihn, ehe derneutestamentliche Kanon noch vorhanden war, religiös undmoralisch weise machen (<?o<^/<7ttl) zur Seligkeit.« —Nun zweifle noch Einer, welche Dignität apostolischer Schä-tzung nach, dem alten Testament beizumcssen sey. — Istes erklärbar, wie Paniel, vorausgesetzt, daß er den Apo-