Druckschrift 
Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift : Resumé der Bremer Kirchenfehde
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

der Vcrdammniß überlassen und preisgegeben sein. Nachjenem gegnerischen Zugeständniß bedarf es also über 1 Cor.16, 22 keines Disputirens weiter. Paulus sagt: »Werden Herrn Jesum Christum nicht lieb hat, der ist unterdem Fluche und Verdammungsurtheil Gottes, so wahr derHerr kommt, der diesen Fluch vollziehen wird!« DieBegründung dieser Interpretation, als der einzig zulässigen,in meiner Replik (pnK. 42, 43) steht unangefochten undunanfechtbar da.

Als fernern Beweis, daß das Wort Anathema nachneutcstamentlichem Sprachgebrauche ungleich Schwereresbezeichne, als die kirchliche Excommunication, citirte ich inder Replik außer den bereits genannten, auch noch die StellenMath. 26, 24 und Apostelgeschichte 23, 24. Bei der ersterenwird nun gegnerischer Seits bemerkt: es spräche hier dernoch nicht wahrhaft bekehrte, seinen Herrn verläugnendePetrus noch ganz als Jude zu den Juden/ bei denen daszu der ordinären Verwünschungs for-mell: »Gott thue mir dies und das, Gott strafe mich!«geworden sey. Die andere Stelle gehöre gar nicht hieher,indem es eben wieder »jüdische Aelteste« seyen, die dortmit einem Anathema sich anathematisirten, d. i. sich hartverfluchten, oder dem Zorn und Fluch Gottes sich zusprächen,falls sie, bevor sie Paulum getödtet hätten, etwas kostenwürden. Den Juden also war es allerdings geläufig,unter dem »Anathema« oder dem »anathematisirt seyn«ein dem Fluche d. i. dem verdammenden Urtheil des al-lerhöchsten Richters anheimgefallen seyn zu verstehen. Pa-niel gibt das mit unzweideutigen Worten zu. Nun aberwird Paulus von demselben Mann zu wiederholten Malenförmlich angeklagt, als »Pharisäerzögling das jüdischeAnathema ins Christenthum verschleppt zu haben.« Somüßte denn natürlich Paulus bei seinen Anathema's dasselbe,was die Juden bei den ihrigen, sich gedacht, und jenerRedeweise überall in demselben Sinne, wie jene, sich be-